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Vollständige Version anzeigen: "Afrika-Tage"in deutschen Zoos
Fuchs
Vor allem stößt man sich an der Verknüpfung mit der Unabhängigkeitsfeier von Namibia!*

Zitat
Thema: Wieder 'Afrika-Tage' in deutschen Zoos - rassistische Konzeptionen - please help, protest and forward!

Liebe antirassistisch Aktive und Interessierte,

Gleich zwei deutsche Tierparks wollen in den kommenden Tagen ‚afrikanische’ Tage veranstalten, in deren Rahmenprogramm afrikanische Menschen sowie ihre Darbietungen, Kunst und Kultur Gegenstand eines Zoobesuchs werden sollen.

Und zwar mit besonders rassistischen Konnotationen (Zoo Berlin: Namibia-Tage im Zoo anlässlich des Jubiläums "20 Jahre Unabhängigkeit für Namibia"!; Zoo Eberswalde: "Genießen Sie afrikanisches Flair mit temperamentvoller Live-Musik und Tanz der Band (...) aus dem Kongo. Diese Veranstaltung soll die Volksgruppe der San, den „letzten ersten Menschen“, durch Hilfe zur Selbsthilfe bei der sanften Integration in unsere moderne Zeit unterstützen.")

Die Veranstaltungen werden wir wohl nicht mehr aufhalten können, rufen jedoch zu internationalen Protesten auf!

Bitte protestieren Sie! Zum Beispiel per Mail an die Zoodirektionen, um zu erreichen, dass die deutsche Geschichtsblindheit und die Verortung afrikanischer Menschen und Kulturen in Tierparks endlich aufhört!


Mit solidarischen Grüßen,

info@
Derbraunemob.de

der braune mob e.V.
media-watch - schwarze deutsche medien / öffentlichkeit


Der braune Mob e.V.

Was sagt ihr dazu? Sind wir nur auf unsere Nazivergangenheit sensibilisiert und verantwortungsbewusst im Umgang? Findet ihr das übertrieben?
Polygon
Zitat(Fuchs @ 09 Jul 2010, 19:26)
Findet ihr das übertrieben?
*



Ja, ob ich mir die nu in der Fussgängerzone, aufm Afrika-Festival oder im Zoo ansehe ist doch mal sowas von Wurst. Wer da rassistische Gedanken vermutet sollte sich vielleicht selber mal Fragen wie rassistisch er eigentlich selber eingestellt ist. Vermutlich werden die ja auch nicht grad im Käfig sitzen und dort ihren Kram darbieten.

Aber Nazis kann man ja überall finden, man muss nur lang genug suchen...

Wenn eine nichtafrikanische Gruppe dort auftreten würde, dann würde sich ja auch niemand Gedanken machen...
Somerset
Naja, Völkerschauen haben ja eine lange, teils unrühmliche Geschichte. Jeder hat sicher schonmal die Geschichten von im Kaiserreich in Zoos zurschau gestellten Inuit gehört usw. Ich kann mir schon vorstellen, dass manche Leute sich bei solchen Afrika-Tagen an derartige Dinge erinnert fühlen. Rassismus zu unterstellen finde ich zwar reichlich übertrieben, aber man sollte auch nicht ohne eine gewisse Sensibilität an so ein Thema rangehen.

Ich persönlich sehe das Konzept von Zoos und die Einpferchung und Zurschaustellung von Tieren sowieso eher kritisch...
tingel
Ich muß zugeben, daß ich auch erst mit so einem Reflex wie Polygon reagiert habe, aber die Sache mit den Völkerschauen war mir da auch noch nicht so ganz klar.
Ja, es läßt sicher Sensibilität vermissen, doch ob man böse Absicht unterstellen kann, würde ich bezweifeln.
Das Thema ist diskussionsbedürftig, aber man sollte die Kritik besser kommunizieren, also den geschichtlichen Kontext näher herstellen.
Polygon
Zitat(tingel @ 09 Jul 2010, 22:21)
Ich muß zugeben, daß ich auch erst mit so einem Reflex wie Polygon reagiert habe, aber die Sache mit den Völkerschauen war mir da auch noch nicht so ganz klar.
Ja, es läßt sicher Sensibilität vermissen, doch ob man böse Absicht unterstellen kann, würde ich bezweifeln.
Das Thema ist diskussionsbedürftig, aber man sollte die Kritik besser kommunizieren, also den geschichtlichen Kontext näher herstellen.
*



Naja, wenn man nochma drüber nachdenkt isses sicher nicht unbedingt geschickt gewesen. Die Leute aber gleich in die braune Ecke zu stellen finde ich trotzdem falsch, solange nicht noch weitere Gründe dafür vorliegen.
Schlummerpieps
Nur mit den kleinen Unterschied, dass die Leute nicht in Gehege gesperrt und wie wunder was von allen begafft werden... Das ist für mich vergleichbar mit den Kosaken und Indios auf der Prager Straße. Das ist ja dann auch unheimlich rassistisch, denen zu zusehen.
lusch3
Zitat(Schlummerpieps @ 10 Jul 2010, 10:18)
Nur mit den kleinen Unterschied, dass die Leute nicht in Gehege gesperrt und wie wunder was von allen begafft werden...  Das ist für mich vergleichbar mit den Kosaken und Indios auf der Prager Straße. Das ist ja dann auch unheimlich rassistisch, denen zu zusehen.
*


#2
stabilo
Für mich hat der Auftritt in einem Zoo schon eine besondere Konotation. Sowas kann misverstanden werden (schon aus dem Hintergrund der hier mal Mode gewesenen Völkerschauen) und aus diesem Grund halte ich es für eine schlechte Idee. Das ganze hat einen ziemlich faden Beigeschmack.
the ox
Da schließt sich ein Kreis, den Zoo und Völkerschau gehen historisch Hand in Hand. Und dass das, was vor 100-150 Jahren als exotische Unterhaltung diente heute kritsch gesehen werden könnte, sollte sensibleren Naturen in der Zooeventplanung bekannt sein. Da klemmt man sich sowas einfach ... bärtige Frauen und dreiarmige Kinder werden ja auch nicht mehr ausgestellt. Wobei, das Boulevard TV von heute ist ja der Zoo von vorgestern. smile.gif

Es macht, nach meiner Meinung schon nen Unterschied ob Afrikaner neben der Zebraherde im Zoo oder Bayern im Hofbräuhaus Tokyo musizieren. Weil beides verschieden behaftet ist.

Kritisch darf und sollte man das schon sehen, bewußten Rassismus seh ich da nicht, eher die leider üblichen Nichthirneinschaltungen des Alltags.
Stormi
Deutsche Juden sind übrigens Antisemiten, denn sie sind ja Deutsche und die Deutschen haben ja vor 60 Jahren..

Ob sinnvoll oder Sinn vakant, wichtig ist der Widerstand.

Auch:
bild kann nicht angezeigt werden
loco
Zitat(Schlummerpieps @ 10 Jul 2010, 10:18)
Das ist für mich vergleichbar mit den Kosaken und Indios auf der Prager Straße. Das ist ja dann auch unheimlich rassistisch, denen zu zusehen.

für mich is das nicht vergleichbar..

zoo steht nunmal für mich im zusammenhang mit tieren die ausgestellt werden, also wenn schon ne afrika-woche, dann sollte es ausschließlich um tiere gehen und nicht zusätzlich um menschen..

vorsatz ist es nicht, aber irgendwie leicht dumm
the ox
Zitat(Stormi @ 10 Jul 2010, 12:40)
Deutsche Juden sind übrigens Antisemiten, denn sie sind ja Deutsche und die Deutschen haben ja vor 60 Jahren..

Ob sinnvoll oder Sinn vakant, wichtig ist der Widerstand.

Jo, immer auf die Art drüber stehen ist auch einfach. Du bist das andere Bein im Grätschschritt der Extreme. Wichtig wären die Eier dazwischen.

Socres
ach eigentlich wollt ich was schreiben aber es hat ja doch keinen sinn...
Stormi
Natürlich sind die nur bei irgendwelchen merkbefreiten Neustadthippies anzutreffen, die sich wegen ner Afrikashow vor nen Zoo stellen. Am besten gleich ne Petition ausarbeiten, dass doch bitte nur asiatische Elefanten gehalten werden sollen, denn den afrikanischen Pendants sind wir ja noch was schuldig.

iggi
Sommerloch beim braunen Mob e.V.?
Socres
http://www.youtube.com/watch?v=IuGUcXNlq8Q
franzman21
das is doch extrem übertrieben. ohne jemals vom braunen mob gehört zu haben, ginge ich doch nicht in den zoo um mich drüber aufzuregen, dass dort afrikaner trommeln etc.
so ein quatsch!
iggi
Wir mussten mit dem Chor vor ner Weile im Gottesdienst singen und beim Einsingen kam son Typ vorbei, hört unsere Afrikanischen Trommeln und knautscht den Chorleiter voll "Was ist das denn hier für Hotten-Totten-Musik?". Danach isser gegangen...

Sowas finde ich bedenklicher als ein afrikanisches Fest im Zoo.

fuckfish
also die ad hoc-reaktionen waren ja erwartbar, aber die aussagen, nachdem man sich gedanken gemacht hat (oder dies vorgibt) sind mal wieder bedenklich.

da der braune mob eine vereinigung von afro-deutschen ist, rebelliert hier die diskriminierte gruppe. schade, dass man da als angehöriger der weißen mehrheitsgesellschaft nicht mal n bisschen übern tellerrand schauen kann, sympathisanten als "merkfreie hippies" abtut etc. und das als akademiker, ist schade - aber das nur nebenbei!


polygon: es war nie die rede von "brauner ecke", nazis etc. es geht um rassismus als system und um die fehlende reflektion der deutschen kolonialvergangenheit. deswegen kann man heut auch immer noch 10 kleine negerlein und den struwelpeter unkommentiert kaufen. über den, der das nicht kritisch sieht, muss ich mich schon sehr wundern...

der braune mob liefert im übrigen reichlich info-material und erklärungen zum historischen background (ja gut, da hätte man sich nun unbequemerweise näher damit beschäftigen müssen - so wichtig isses ja dann doch nich, nicht wahr?).

ich schließe mich einigen vorrednern an: wahrscheinlich ist es kein vorsatz, aber dumm. latenter rassismus is rassismus. ist es nicht sogar schlimmer, wenn die minderheit unwissentlich diskriminiert/verletzt wird?

edit: fuchs war's (offensichtlich^^)
Stormi
Oh jetzt kommt wieder die "Aber Akademiker dürfen nicht.." Keule popcorn.gif
lovehina
Worum gehts hier? Gibts jetzt Neger im Zoo oder was?
Was isn da das Problem? Der zoo hat halt ne Relation zu Afrika weil der afrikanische Tiere zeigt,
darum bietet sich n Afrikafest an. Die Drewag hat keine Tiere oder dinge aus Afrika und macht darum kein
Negerfest. Ist doch alles gut. was soll das Gezeter?

Anstatt sich jetzt drüber zu ärgern dass die Zoos da jetzt die Hottentotten zeigen, sollte der braune Mob mal lieber konstruktiv eingreifen. Jetzt mal Symbolik hin oder her. Wenn ihnen was nicht gefällt, sollen se nich einfach auf die Buschtrommeln hauen und Bananen essen, sondern selber die Veranstalter ansprechen und Vorschläge machen. Ich glaub sowas nennt sich integration.

Sollen sie doch mal auf die Anti-Homosexuality Geschichte in Uganda hinweisen, darauf welchen Schaden Rot Kreuz Hilfslieferungen den lokalen Bauern antun, welche besseren Hilskonzepte als das typische "throw money and stuff at them" Konzept es geben müsste. etc.

Aber nee. Wer sich n ganzen Tag nur seinen haarigen Schwarzen hinter kratzt und ab und zu mit Kot wirft, hat glaub ich nix besseres Verdient als nur im Zoo ausgetstellt zu werden.

Mein Senf.
Fuchs
stormi: dir fehlt das mittel zur abstraktion. oder es ist reiner unwille. ich sagte lediglich "es wundert mich", akademiker "dürfen"´auch nazis sein, es wundert mich nur...

lovehina: ach bernd... zu nächst mal steht uns nich zu, darüber zu urteilen, wann sich jemand verletzt fühlt oder nicht. es geht, wie oben schon beschrieben, nicht darum, dass eine afrikanische tanzgruppe (woher aus afrika?) dort auftritt sondern die verbindung mit der kolonialzeit und der unabhängigkeit namibias (stichwort völkermord namibia, genaueres hier).

naürlich hat man seinen unmut im vorfeld geäußert und ist an die veranstalter herangetreten, konnte die veranstaltung aber nicht verhindern. jetzt wird im nachhinein darauf hingewiesen.macht man ja auch bei bologna und sonst überall... und wie genau kommst du jetzt darauf, dass die beschwerer nicht integriert seien? blink.gif

Anti-Homosexuality usw usw. sind wichtige themen, die diskutiert werden müssen. die motivation im vorliegenden fall rührt aber daher, dass sich ne gruppe hie dor ort aufgrund eines bestimmten vorgangs diskriminiert fühlt... versteh also die argumentation nicht, bin aber erfreut, dass du dir über solche dinge gedanken machst (oder sie zumindest kennst, ich nehm dir nämlich nich ab, dass der homosexismus neuerdings dein steckenpferd ist)...

letzten satz empfinde ich als plumpe und nicht ernst gemeinte provokation und setze ein erneutes "ach bernd" ran. danke, dass du geschrieben hast, was sicher einige denken...
lovehina
Ey. Ich hab nur was gegen homos wenn sie mit mir Dinge tun wollen.
Nur um das klarzustellen.

um jetzt mal meinen Standpunkt der keine Trollierung darstellte nochmal hervorzuheben:

In Anbetracht aktueller Krisen,
sind geschichtliche Massaker, so interessant sie auch sein mögen, doch eher nebensächlich.
Anstatt die Festtage als Plattform zu nutzen um aktuelle Probleme zu
benennen, werden historische Probleme aufgerollt. Kein Wunder, dass sich dabei die Sympathie
der Öffentlichkeit eher in Grenzen hält.
Euronymus
Zustimmung zu iggi, Stormi und Puste.

Kennt noch jemand die Geschichte von dem Jungen der immer gerufen hat "Der Wolf kommt!", obwohl kein Wolf kam?
Anti-Diskriminierungsvereine müssen sich immer diskriminiert fühlen, sonst wären sie keine Anti-Diskriminierungsvereine. Deshalb nimmt man sie meist auch nicht mehr ernst.

Ich find die Idee "Afrika-Tage in deutschen Zoos" gut! Immerhin scheinen hier einige (und der braune Mob besonders) zu vergessen, dass ein Zoo auch nur ein Museum ist. Eine Bildungseinrichtung, zudem eine die den Vorteil hat, dass sie auch dem Normalmensch zugänglich ist. Man könnte die afrikanischen Künstler auch in einem protzigen Barockbau auftreten lassen und dort würden ihnen dann Herrschaften um die 60 in Anzügen verhalten applaudieren. Das wäre genauso öffentlichkeitswirksam wie eine Nachrichtensendung nachts um 3 aufm mdr.

Noch ne andere Off-On-Topic Geschichte:
Eine Bekannte von mir arbeitet in einer Jugendbetreuungseinrichtung. Sie hat ihren Zwergen beigebracht, dass das Spiel "Wer hat Angst vorm schwarzen Mann" die Schwarzen diskriminiert und diese auch nur normale Menschen sind. Das haben die Kleinen eingesehn. Daraufhin haben sie "Wer hat Angst vorm Juden" gespielt. Die Diskussion, dass das nicht ok ist hat dann länger gedauert... (Geschichte ausm tiefsten Westen, mit einen Migrantenanteil von über 50%)
myrmikonos
Zitat(lovehina @ 11 Jul 2010, 02:46)
um jetzt mal meinen Standpunkt der keine Trollierung darstellte nochmal hervorzuheben:
In Anbetracht aktueller Krisen,
sind geschichtliche Massaker, so interessant sie auch sein mögen, doch eher nebensächlich.
Anstatt  die Festtage als Plattform zu nutzen um aktuelle Probleme zu
benennen, werden historische Probleme aufgerollt. Kein Wunder, dass sich dabei die Sympathie
der Öffentlichkeit eher in Grenzen hält.
*


"Aktuelle Probleme"? Die meisten Probleme bestehen gerade darin die Geschichte zu verkennen. 1. sollte dir bewußt werden, daß kein aktuelles Problem nicht in einem historischen Kontext steht; 2. daß eben diese verkennen dazu fuehrt, diese nicht loesen zu koennen; [3. Konflikte sollten als solche behandelt und geloest werden und gehoeren nicht durch Interessen/Sympathien und dergleichen ausgeweitet].

Zum Beispiel der braune BP-Oel-blob konnte nicht aufgehalten werden, weil sich die US Regierung einfach nie ueber geeignete Maßnahmen Gedanken gemacht hat. -> dazu BLOBama picture und dabei hatten sie fast 50 Jahre lang Zeit dazu, vgl Nigeria OelPest, die Pusti gerne uebersehen will + http://de.internationalism.org/IKSonline2010_oelpestnigeria+. Afrika kann die [anderen] fremdverschuldeten Probleme gar nicht alle selber loesen, weil ihnen die Geschichte zu der Technik und Fortschritt dazu fehlt.

Immerhin besteht chronische Dummheit einiger im Forum, die sich ueber jedes "aktuelle Problem" stuerzen und sich beschaemend leichtfertig mit "News" auseinandersetzen um sich als informierter Mensch von Welt zu fuehlen. Dabei gereicht es leider nur zur Aufnahme/Weitergabe der Berichterstattung, aber kaum zur Verarbeitung im historischen, oder holistischen Ausmaß.

Zur Voelkerschau bin ich durchaus dialektisch eingestellt: es ist im humanistischen Rahmen (Alexander v. Humboldt) so viel wie moeglich ueber unsere Mitmenschen und Umwelt zu lernen, zu wissen und sie als solche schaetzen zu lernen. Der Schatz der Vielfaeltigkeit, sowie Eigenartigkeit wird oft verkannt, wenn er nicht als exotisch etikettiert wurde. Die Idee die "Exotik" ins eigene Land zu holen ist sicher eine aeltere, gegenueber den fremden Menschen aber immernoch kindlich - zumal es noch keine Kinos und dergleichen gab. Hagenbecks Umgang mit den anderen Voelkern ist durchaus naiv und romantisch/neutral. Sicherlich ist aber die Art und Weise mit der "Fremdheit" umzugehen selbst befremdlich. Man erreicht durchaus nicht die gleiche Augenhoehe zwischen 2 Kulturen in einem Zoo. Damit ist die Institution zoologischer Garten im heutigen wortverschraenkten Sinn "Tierpark" zu verstehen. Weiterhin mueßte ueberprueft werden, aus welchem Interesse wirklich die "Exotik" eingefuehrt wurde: als paedagogische Maßnahme, oder der Attraktion und des Geldes wegen.
Im Jahr 1897, ließ der belgische König Leopold II drei Kongolesische Dörfer in Tervuren errichten, in denen mehr als 200 Menschen von verschiedenen Stämmen „leben“ mussten. Dort mussten sie zwei Monate, mit nichts weiter als Grasröcken bekleidet, ausharren. Viele starben an Lungenentzündungen und Tuberkulose. Die Besucher hingegen, liebten diese künstlichen Dörfer, manche warfen sogar Bananen über die Absperrungen, so als ob sie Vögeln Brotkrumen zuwerfen würden. Quelle: only-apartments.de/
Kongo wartet bis heute noch auf eine oeffentliche Entschuldigung aus Belgien fuer die Graeueltaten Koenig Leopold II + Aufnahme in die Geschichtsbuecher Belgiens.

Zur Problematik in den zoologischen Gaerten: diese Instituionen sind Relikte und laengst zum Abbau ueberfaellig. Den ersten Elefanten, oder die erste Giraffe sieht ein Kind heute nicht mehr im Zoo, sondern in einer TV-Dokumenation. Auch wenn sie lebensecht seien, entwickelt das Kind innerhalb der 5h Besuch keinen staerkeren, schaerferen Sinn fuer Umwelt, als im Kindergarten, oder im Erlebnispark; im Streichelzoo, oder Bauernhof. Jede Argumentation fuer Nachhaltigkeit und Arterhaltung ist nichtig, sobald die Tiere sowieso in Gefangenschaft hausen muessen. Artgerechte Haltung von Tieren ist ein Paradoxon und ebenso rassistisch wie jedes Konzentrationslager. Was soll ein Zoo darstellen: ein kuenstlicher Raum um Natur zu Konservieren? - Das ist immernoch Kolonialkultur.

Proteste werden nicht helfen, weil systematischer Rassismus ein grundlegendes Prinzip im Zoobetrieb ist und subtil anerkannt ist. Sicherlich gibt es bessere Plattformen die afrikanische Kultur kennenzulernen. Das koennte man auch als Gegenveranstaltung direkt propagieren und umsetzen. Was aber die Menschen im Zoo treibt ist diese feine Trennlinie zum Fremden, diese Objekt-erfahrung und zugleich das kitzelnde Bewußtsein im Schleier auf diesem Planeten dazuzugehoeren.
Fuchs
Myrmi: gedankengang schön dargelegt. blink.gif

Zitat(Euronymus @ 11 Jul 2010, 14:50)
Zustimmung zu iggi, Stormi und Puste.

Kennt noch jemand die Geschichte von dem Jungen der immer gerufen hat "Der Wolf kommt!", obwohl kein Wolf kam?
Anti-Diskriminierungsvereine müssen sich immer diskriminiert fühlen, sonst wären sie keine Anti-Diskriminierungsvereine. Deshalb nimmt man sie meist auch nicht mehr ernst.

*



ich kenne die geschichte nicht! aber eanti-diskriminierungsvereine werden nicht ernstgenommen von leuten, die das privileg haben, sich nicht diskriminiert fühlen zu müssen. wo nehmt ihr das recht her, zu beurteilen, wer sich wann wie stark diskriminiert zu fühlen hat? ihr habt den vorteil, die wahl zu haben, euch mit rassismus zu beschäftigen oder eben nicht. ein afro-deutscher hat das nicht, genausowenig ein muslim...

die schwarzen jammern zu viel, die frauen jammern zu viel, die arbeitslosen jammern zu viel... und das aus den federn von weißen, gebildeten jungen männern (ich überzeichne, lasst die emanzen-bashing-keule bitte in der tasche), mir kommt da n bissl der mock hoch...
lovehina
Zitat
1. sollte dir bewußt werden, daß kein aktuelles Problem nicht in einem historischen Kontext steht;2. daß eben diese verkennen dazu fuehrt, diese nicht loesen zu koennen; [3. Konflikte sollten als solche behandelt und geloest werden und gehoeren nicht durch Interessen/Sympathien und dergleichen ausgeweitet].


Es muss von einem historischen Kontext ausgegangen werden, um einen bestehenden Konflikt lösen zu können. Soweit gehe ich mit. Nur wenn ein historischer Konflikt keine momentane Relevanz hat, sollte er auch nicht mit höchster priorität behandelt werden. Es könnte höchstens eine Verbindung zwischen Kolonialdenken und dem Verständnis von humanitärer Hilfe als Beispiel herangezogen werden. Wobei
das ich nenne es jetzt mal Überlegenheitsdenken der abendländischen Kultur eine große Rolle spielt.
Wer einen Hilfsbedürftigen nur aufgrund seiner Hautfarbe als unfähig ansieht sich selbst zu versorgen bietet Hilfe in anderer Form an, als jemand mit dem er sich auf gleicher Entwicklungsstufe sieht. Was aber genau dies mit der Unabhängikiet Namibias und dem Hereromassaker zu tun hat, entzieht sich momentan meiner Kenntnis. Selbstverständlich geht ein Afrikafest in einem Zoo mit Verallgemeinerungen und Showbuisness einher. Es gibt Tanzgruppen und afrikanisches Essen, weil das einfach mal auch Lieschen Müller aus der wohnung locken könnte ( eine Podiumsdiskussion hätte dagegen eher schlechte Chancen). Wäre ich Teil des braunen Mobs oder hätte ich eine nähere Beziehung zu Afrika, ausser der Tatsache das meine Eltern da mal im Urlaub waren, würde ich die Veranstaltungsreihe wenn nicht als Plattform dann doch als Sprungbrett begreifen um über aktuelle Misverhältnisse und ihre Ursachen zu informieren. Dabei ist Kritik eine Möglichkeit ins öffentliche Interesse zu geraten. Wenn sie allerdings Probleme anspricht, mit dem sich die breite Masse nicht identifizieren kann, und dafür keine möglichkeit des Transports durch Metaphern etc. findet, verpufft diese Möglichkeit. Wenn dabei die Kritik im Vordergund bestehen bleibt, wird sich eine gemeinsame Kommunikationsebene zwischen Bevölkerung und BraunemMob nicht finden lassen. Anstatt also mit geisteswissenschaftlichen Phrasen um sich zu werfen, wäre es besser geeignete Bilder zu entwickeln, welche die Probleme so beschreiben, dass Lieschen Müller sich damit identifizieren kann und diese geeignet zu transportieren. Denn so wäe der Grundstein für die Verarbeitung gelegt von der du sprichst.

Auf die Problematik ob ein Zoo nun eine obsolete Geschichte ist oder nicht, geh ich an dieser Stelle mal nicht ein. Ic denke zwar ganz ähnlich, andererseits mag ich aber Affen anguggen. (sind witzige Tiere)


@fuchs:
Zitat
die schwarzen jammern zu viel, die frauen jammern zu viel, die arbeitslosen jammern zu viel...

Das is echt das problem meiner meinung nach. Wenn ne Gruppe nur durch ihre Probleme dargestellt werden, fällt es nach ner Weile schwer Sympathien für diese Gruppe zu haben
Da jeder normale Menschliche Bezug, der sich durch Höhen und Tiefen auszeichnet, verloren geht.
Wenn jemand als als zu viel jammernd dargestellt wird, fehlt es eindeutig an nem allgemeinen Verständnis für ihn und das ist n Problem der Bildhaftigkeit. smile.gif
Fuchs
naja bilder, mit denen lieschen müller sich identifizieren kann, sind halt unicef-bilder von schwarzen wasserbäuchigen kindern mit fliegen in den augen, damit's schön menschelt^^

ansonsten geb ich dir in vielen punkten recht. rassismus als system wird nicht vom schwarzen mob ausgemerzt, nur weil er als rosa häschen verkleidet regelmäßig Ö-punkte über das O auf dem Schild der Berliner "Mohrenstraße" schreibt, sondern will aufmerksam machen. das der grund im vorliegenden fall zu wenig greifbar für max und eva mustermann sind, ist ja offensichtlich^^

edit:
Zitat
Das is echt das problem meiner meinung nach. Wenn ne Gruppe nur durch ihre Probleme dargestellt werden, fällt es nach ner Weile schwer Sympathien für diese Gruppe zu haben
Da jeder normale Menschliche Bezug, der sich durch Höhen und Tiefen auszeichnet, verloren geht.
Wenn jemand als als zu viel jammernd dargestellt wird, fehlt es eindeutig an nem allgemeinen Verständnis für ihn und das ist n Problem der Bildhaftigkeit. smile.gif


habe mit lovehina schon im icq geklärt, dass es sich um ein missverständnis handelt, er wollte es aber trotzdem posten lol.gif
lovehina
Unicef Bilder am arsch. Ich rede hier von Metaphern die dem soziokulturellem Milieu von Lieschen Müller entsprechen. Da nutzt einem Unicef nix, das ist genau da sProblem wovon ich spreche. Da werden verhungernde Kinder gezeigt, die den Mutterinstinkt ansprechen, die gleichzeitig aber auch vermitteln dass der dem Hilfe gebracht werden soll, nicht dazu in der Lage ist sie eigenständig anzuwenden.
Fuchs
JA! das meinte ich doch lol.gif ach fuck ich lass das mit der polemik im internetz einfach...
Stormi
Zitat(myrmikonos @ 11 Jul 2010, 16:21)
"Aktuelle Probleme"? Die meisten Probleme bestehen gerade darin die Geschichte zu verkennen. 1. sollte dir bewußt werden, daß kein aktuelles Problem nicht in einem historischen Kontext steht; 2. daß eben diese verkennen dazu fuehrt, diese nicht loesen zu koennen
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Ich halte dagegen, dass viele Probleme sich nicht lösen lassen, weil man krampfhaft versucht, die Geschichte eben nicht zu verkennen. Wenn zum Beispiel die Kongolesen (heißen die so?) nach über 100 Jahren immer noch sauer auf Belgien sind und sich zum Beispiel bei der wirtschaftlichen Zusammenarbeit sturstellen (nur ein pathologisches Beispiel), was ist dann die eigentliche Ursache für eine fehlende Problemlösung?

Zitat(myrmikonos @ 11 Jul 2010, 16:21)
Zur Problematik in den zoologischen Gaerten: diese Instituionen sind Relikte und laengst zum Abbau ueberfaellig. Den ersten Elefanten, oder die erste Giraffe sieht ein Kind heute nicht mehr im Zoo, sondern in einer TV-Dokumenation. Auch wenn sie lebensecht seien,  entwickelt das Kind innerhalb der 5h Besuch keinen staerkeren, schaerferen Sinn fuer Umwelt, als im Kindergarten, oder im Erlebnispark; im Streichelzoo, oder Bauernhof. Jede Argumentation fuer Nachhaltigkeit und Arterhaltung ist nichtig, sobald die Tiere sowieso in Gefangenschaft hausen muessen. Artgerechte Haltung von Tieren ist ein Paradoxon und ebenso rassistisch wie jedes Konzentrationslager. Was soll ein Zoo darstellen: ein kuenstlicher Raum um Natur zu Konservieren? - Das ist immernoch Kolonialkultur.
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Die 5h Zoobesuchthese ist eine Behauptung und ohne Untermauerung mit Fakten kaum haltbar. Ich für meinen Teil sehe gerade exotische Tiere lieber live als im Fernsehen und wird nicht gerade dieser Hang der aktuellen Generation zur verstärkten Medienkonsumption an Stelle des Sammelns von "echten" Erfahrung sehr kritisch gesehen?

Kann man Tiere, die in der x. Generation in Gefangenschaft geboren werden, leben und sterben und nichts anderes kennen als gefangen betrachten? Artgerechte Haltung ist natürlich in Gefangenschaft prinzipiell nicht möglich, allerdings sehen die meisten Zootiere nicht sehr unglücklich aus. Wenn alle Menschen blind wären, wer könnte dann sagen, was schwarz ist und was weiß? Viele Tiere abseits der Zoos sind - durchaus zuchtbedingt - auf den Menschen und die von ihm zur Verfügung gestellte Infrastruktur angewiesen, siehe Bauernhof.

Können Zoos, Tierparks und co. nicht die Chance nutzen und weg von einem kolonialen Gaff- und Belustigungskonzept hin zu einem museumsgleichen Bildungsauftrag gelangen? Sind psychatrische Kliniken in der heutigen Zeit überalterte Relikte, die abgeschafft gehören, nur weil sie früher eher als "leichte" Gefängnisse oder Umerziehungsanstalten geführt wurden?

In diesem Sinne ja, Zoos konservieren Natur auf eine bestimmte Art und Weise. Das hat aber meiner Meinung nach nichts mehr mit Kolonialkultur zu tun. Wer in Zeiten von einer Fußballnationalmannschaft gespickt mit Migranten, denen Millionen Deutsche zujubeln, von einem Rassismusproblem spricht, verkennt die großen Fortschritte, die gerade in Dtl. bei der Bekämpfung dieser Problematik gemacht wurden. Natürlich gibt es nach wie vor vielerorts diesen "latenten" Rassismus bzw. die offene Variante.

Meiner Meinung nach sind aber eben solche überzogenen Aktionen, wie diese hier, eher nicht geeignet den "Restrassismus" zu bekämpfen. Stets wachsam sein und bei Bedarf Gegenhalten ist eben was anderes, als den Leuten permanent reflexartig auf den Sack zu gehen, sobald mal einer Lust auf Negerküsse hat. Damit macht sich der Zentralrat der Juden schon ständig lächerlich und mehrt nicht gerade sein Ansehen in der Gesellschaft bzw. das der Religionsgruppe, die er vertritt.

Darüber hinaus ist es mir als freien Menschen mit einem freien Geist jederzeit gestattet zu sagen "Ihr spinnt ja!". Wenn ich das als weißer gebildeter junger Mann ob meiner Hautfarbe, gesellschaftlichen Standes, Fähigkeiten nicht mehr sagen darf, dann.. na ihr wisst schon.
Fuchs
lol!

deine ausführungen über zoos und deinem interesse an tieren inkl. aller hanebüchenen vergleiche ignorierend:

bezüglich der vielbejubelten multikulti-nationalelf, von nazis liebevoll plastikdeutsche genannt empfehle ich diesen artikel: Deutsches Märchen Integration!

über wörter wie restrassismus muss ich bisschen schmunzeln und empfehle dazu frau wiki: Rassismus als System! (aber da wirst du sicherlich wieder nur auf den unterpunkt "kritik" klicken um dann anhänger des Klassischen Realismus zu werden)

und sagen "ihr spinnt ja!" darfst du immer, tust es auch häufig und versuchst es dann als subtile, gewitzte kritik zu verkaufen, indem du n konditionalsatz nutzt oder so...

auch:

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Fuchs
was ist hier passiert oO
Stormi
Erwartest du jetzt ernsthaft, dass sich irgendwer mit einem Post auseinandersetzt, der mit "lol!" beginnt? Geh mal lieber deinen weißen Herrenmenschgespenstern hinterherjagen.
Socres
wenn mir süßkram schmecken würde, dann würd ich jetzt nen rudel negerküsse verdrücken...
Fuchs
ja, du nimmst mich nicht ernst und ich dich nicht, is ja nun gut und auch vollkommen offtopic.

nichtsdestotrotz zeigen doch die bilder was ich meine und nur weil mein post mit lol beginnt, sind die angegebenen quellen lesenswert und wärst du in der tat am thematischen diskurs und nicht nur an selbstdarstellung interessiert sein, würdest du nicht nur auf die argumentation von bestimmten leuten eingehen, sondern auf alle ernstgemeinten posts. mal abgesehen von dem fakt, dass allein in diesem thread nicht alle deine posts sachlich und am thema orientiert sind...
lovehina
oh da ist jetzt aber jemand eingeschnappt no.gif ich bezog das eigentlich auf stormi.
Stormi
Es tut mir ja herzlich Leid, dass dich mein Desinteresse beleidigt, aber ich bin in der Tat an Myrmis Gegenargumentation interessiert, denn die kann ich mir nicht im Voraus an fünf Fingern zusammenzählen.