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Vollständige Version anzeigen: Großdemo am 13.12.2007
Subkulturaner
Großdemo "Jetzt schlägt´s 13" oder „Wir sind hier! Wir sind laut! Weil ihr uns die Bildung klaut“

Impressionen einer Großdemo für mehr Demokratie und Mitbestimmung an sächsischen Hochschulen.


<div style="float:left;margin:''0px 10px 10px 8px'';padding:10px;border:4px solid #F2F2F2;background:white;"><img src="/uploads/post-9609-1197637892_thumb.jpg" style="width:400px;"/><br />Die Forderungen wurden klar gezeigt</div>In der letzten Zeit sah der aufmerksame Student überall auf dem Campus Plakate mit der Aufschrift:„Sie verlassen den Demokratischen Sektor“ Die Plakate waren der Aufruf an alle Studenten sich der Großdemo gegen das neue sächsische Hochschulgesetz anzuschließen. „Alle kommen! Echt jetzt!“ stand in so manchem Hörsaal vor den Vorlesungen an den Tafeln. In der ganzen Stadt konnte man Flyer finden, die über das Gesetz und die damit verbundenen Proteste informierten. Die Veranstalter engagierten sich über lange Zeit sehr, um auch den letzten Studenten, der sich von früh bis abends in der SLUB aufhält, zu erreichen. Und wie der heutige Tag zeigte, hatten sie diesmal Erfolg. Laut den Rednern hatten sich zwischen zehn- bis fünfzehntausend Demonstranten zusammengefunden. Diese setzten sich aus Studenten, Mitarbeitern der sächsischen Hochschulen und Universitäten, Gewerkschaften und Bürgern zusammen, die friedlich ihre demokratischen Rechte nutzten. Während Europa nach Lissabon blickte, wo heute die Reformverträge unterschrieben wurden, schaute ganz Sachsen auf Dresden, denn diese Demo war weder zu übersehen noch zu überhören.




<div style="float:right;margin:''0px 10px 10px 8px'';padding:10px;border:4px solid #F2F2F2;background:white;"><img src="/uploads/post-9609-1197637880_thumb.jpg" style="width:250px;"/><br />Freiwillige Helfer schenkten Tee aus</div>Bereits 12:00 machten sich die ehrenamtlichen Helfer des StuRa der TU-Dresden auf den Weg in die Mensa. Dort warteten 10 Kessel randvoll mit schön warmen Tee, der freundlicherweise von der Mensa zur Verfügung gestellt wurde, um die wartenden Demonstranten nicht fest frieren zu lassen. Auf drei Biertischen, wurde der Tee dann kostenlos von den freiwilligen Helfern an die pünktlichen Demonstranten ausgegeben und von diesen dankend angenommen, schließlich hatten einige schon einen langen Weg hinter sich. So kamen etliche Demonstranten aus ganz Sachsen um mehr Demokratie an den Hochschulen des Freistaates einzufordern. Zwischen 12:45 und und etwa 13:40 wurden mehr als 400 Becher an die wartenden Massen ausgeteilt. Und während der Teestand abgebaut wurde setzte sich die Großdemonstration gegen 13:45 in Bewegung. Entlang ihrer Route vom Fritz-Foerster-Platz über die St.Petersburger-Straße, den Pirnaischen Platz, über die Carolabrücke in die Neustadt und schließlich über die Albertbrücke zum Landtag zur Endkundgebung bewegte sich die Menge.
Dem großen Zuspruch der sächsischen Studentenschaft ist es zu verdanken, dass wohl jeder in Dresden spätestens am Verkehrschaos, welches noch weit länger als die Demo selbst anhielt, bemerkt haben sollte: Hier ist etwas Wichtiges im Gange! Der Verkehr Richtung Innenstadt über den Pirnaischen Platz, sowie die meisten Straßenbahnverbindungen kamen über längere Zeit zum Erliegen.
Gegen 14:45 wunderte sich so Mancher nicht schlecht, da die ersten Demonstranten schon auf der Augustusbrücke zu sehen waren, obwohl das Ende des gewaltigen Protestmarsches noch nicht einmal auf der Carolabrücke angekommen war. In diesem Moment wurde wohl allen Beteiligten bewusst, wie viele Menschen da eigentlich auf der Straße waren. Die Pfeiffkonzerte wurden spontan lauter und hunderte Transparente tanzten über der Menge. Es dauerte glatte 25 Minuten vom Eintreffen der ersten Demonstranten bis dann auch endlich die Letzten ihr Ziel erreicht hatten, den Platz vorm Landtag.
Sub



Abschlusskundgebung

<div style="float:left;margin:''0px 10px 10px 8px'';padding:10px;border:4px solid #F2F2F2;background:white;"><img src="/uploads/post-9609-1197637934_thumb.jpg" style="width:500px;"/><br />Über zehntausend Demonstranten zeigten ihren Unmut vor dem sächsischen Landtag</div>Zur Abschlusskundgebung waren einige Redner geladen. Zuerst sprach Sascha Möckel (Landesausschuss der Studentinnen und Studenten der GEW Sachsen). Er erklärte noch einmal die Zusammenhänge und Folgen des Gesetzes und forderte zum Sturz des sächsischen Ministerpräsidenten Milbradt auf. Danach hielt Herr Dr. Dietrich Herrmann von der TU-Dresden seine Rede. Der Fachmann für Politikwissenschaften betonte, dass er nicht im Auftrag eines Gremiums, sondern nur für sich selbst spreche, was von der Masse sehr positiv aufgenommen wurde. Seiner Ansicht nach dürfe es nicht sein, dass zahlenmäßig kleine Gremien, wie ein Rektorat, oder der Hochschulrat nicht kontrolliert werden können, und niemandem Rechenschaft schuldig sind. Er verglich diese Situation dann mit dem Vorstand einer Bank, der diese, ohne jegliche Möglichkeit des Eingreifens für die Bank, in den Ruin treibt. Könnte dies auch mit den sächsischen Hochschulen passieren, wenn diese wirtschaftlich geführt und kaum demokratisch kontrolliert würden? Dr. Hermann forderte die Landesregierung auf, den Gesetzesentwurf endlich öffentlich zur Diskussion zu stellen, da dieser bereits im stillen Kämmerlein entworfen wurde.
Der Vertreter der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi redete um einiges kämpferischer und hatte damit die Massen auf seiner Seite. Laut ihm glauben drei Menschen daran, dass es ohne Demokratie an Hochschulen geht, aber wenn man heute vor den Landtag schaute, sah man, dass 12.000 daran nicht glauben. Auch hier wurde der Eklat der sächsischen Landesbank als Beispiel herangezogen. Wegen dieser Misere fehle dem Freistaat Geld in Höhe von 3 Mrd. Euro, die damit im nächsten Jahr zum Teil auch den Studentenwerken und den Hochschulen fehlen werden. Während einer kurzen Pause aufgrund einer vorübergehenden Stromknappheit, übernahm die Menge das Wort. „Alle wollen doch das selbe, schickt Herrn Milbradt in die Elbe!“ Da die Verdi eine Gewerkschaft ist, ging der Redner auch auf Tarifverträge ein. Dem Gesetz nach könne der Senat den Tarifvertrag abschaffen. Dies sei laut Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) nicht so einfach möglich, da auch nach einem solchen Beschluss in den darauf folgenden vier Jahren keine Veränderungen an den Beschäftigungsbedingungen gemacht werden könnten. An dieser Stelle hatte die Menge eine berechtigte Frage: „Und was kommt im fünften Jahr?“ Anfangs versuchte die Ministerin die Demonstranten auf ihre Seite zu bekommen, schien aber in den Augen einiger nicht wirklich glaubwürdig zu sein. Als sie schließlich auch noch der Menge unterstellte, dass der Großteil nicht wisse, was eigentlich in dem Gesetzesentwurf steht, waren die Studierenden und Angestellten umso weniger ihrer Meinung.
Im Anschluss erklärte KSS-Sprecher Gerald Eisenblätter jedoch, dass der letzte bekannte Entwurf, den studentische Vertreter zu Gesicht bekamen vom 25. Mai 2007 stammt. Auch Sie müssen also zugeben Frau Stange, wir können wirklich nicht wissen, was in ihrem Entwurf steht. Frau Stange scheiterte dann mit dem Versuch Sachsen mit anderen Bundesländern zu vergleichen, wobei sie beteuerte, dass laut Gesetz keine Studiengebühren erhoben werden sollen. „Einige von ihnen scheinen es ja besser zu wissen.“ Herr Eisenblätter scheint das durchaus zu tun, denn glaubt man seinen Ausführungen, dann sind zumindest Zweitstudiengebühren schon jetzt möglich.
Im Anschluss folgte das offene Mikro.
Als erstes ergriff SPD-Abgeordneter Cornelius Weiss, ehemaliger Rektor der Universität Leipzig, das Wort und beteuerte, dass er uns Studierende im Kampf gegen das Gesetz unterstützen werde, da Wissenschaft und Lehre nur gedeihen können, wenn sie von demokratischen Strukturen getragen werden. „Wer dies nicht begreift hat 60 Jahre Deutsche Geschichte nicht begriffen“
Im Anschluss hörten wir noch einige interessante Beiträge, die ich hier aber einzeln nicht weiter aufführen möchte, da dies den Rahmen dieses Artikels sprengen würde.
Im Großen und Ganzen fand ich persönlich die Großdemonstration sehr gelungen, und möchte an dieser Stelle den Veranstaltern ein großes Kompliment machen. Ich war sehr überrascht, dass es doch möglich ist, so viele Studenten für ihr eigenes Schicksal zu begeistern. Ich ende also mit den Worten „Das nächste mal bringt jeder einen mehr mit!“
Sub


„Wir sind hier, wir sind laut – weil man uns die Bildung klaut!“

Impressionen von Sonea.

<div style="float:right;margin:''0px 10px 10px 8px'';padding:10px;border:4px solid #F2F2F2;background:white;"><img src="/uploads/post-9609-1197637969_thumb.jpg" style="width:400px;"/><br />Der Demonstrationszug durch Dresden</div>Dies war nur einer der vielen Leitgedanken, der bei der gestrigen Demonstration gegen das neue sächsische Hochschulgesetz, von den geschätzten 10000 Menschen verinnerlicht und publiziert wurde. Um 13:20 Uhr setzte sich die versammelte Menschenmasse, nach einem heißen und dazu kostenfreien Becher Tee, vom Fritz- Förster- Platz in Richtung Sächsischer Landtag in Bewegung. Scheinbar endlos schien sich die Demonstrantenmenge friedlich und mit anscheinend guter Laune durch die Dresdner Altstadt zu ziehen.
Auf den unzähligen Plakaten und Bannern, die die Studenten mit sich trugen, konnte man u.a. Schriftzüge, wie „ studium generale, statt studium capitale“, „Reiche Eltern für alle!“, sowie „Die Lehre geht, die Leere kommt!“ erkennen. Pfeifend und Parolen rufend versuchten sie stets auch staunende Passanten zum Mitlaufen und Mitdemonstrieren zu bewegen. Selbst die gestressten Autofahrer wurden nicht verschont und wurden dazu aufgefordert zu hupen, was zwar oft belächelt wurde, aber dennoch einzelne begeistern konnte. Weiterhin auffällig war, dass die vorhandene Polizeipräsenz kaum zu spüren war, was eventuell an den mitlaufenden, freiwilligen Ordnern gelegen haben kann.
Als schließlich um 15.10 Uhr auch die letzten Menschen am Sächsischen Landtag angekommen waren, begannen eingeladene Redner das Thema Hochschulgesetz näher zu erörtern. Aufgerufen, bzw. unterstützt, wurden diese von u.a. der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, ver.di und der Linken-, sowie der Grünenfraktion des Sächsischen Landtags. Unter Johlen und herzlichem Beifall wurden, im Gegensatz zu den Äußerungen der Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Dr. Eva Maria Stange, die Bekundungen der Gegner des Sächsischen Hochschulgesetzes vom Publikum aufgenommen. Das Bedürfnis der Studenten nach Demokratie und Autonomie lag förmlich in der Luft und verdrängte zugleich die andauernde Kälte.
Son

Was sagt ihr?

eXma wollt natürlich auch mal eure Meinung wissen, und so schickten wir die Letti und den Flo Interviews mit euch zu machen.

Vera studiert zum Beispiel Technomathe und hat mit ihrer Freundin Cathleen (Kunstgeschichte) über Flyer, Vorlesungen und das Internet von der Demo erfahren. "Ja eigentlich überall." Auf die Frage, warum sie da seien, antworteten sie entschlossen: "Na wir sind Studenten und das geht uns ja was an!" Und wie alle erhofften sie sich von der Demo, dass das Gesetz nicht "durchgeht" und "...damit die Leute sehen, das wir was dagegen haben."

Phillip (Bauingenieur) erführ vor allem über Plakate von der Demo. Warum er da war: "Weil ich für studentische Mitbestimmung und gegen das SächsHG einstehen möchte und weil’s mir nicht passt das die Herren Politiker machen was sie wollen und das es noch andere gibt, die was zu sagen haben. Mir ist die Demokratie wichtig. Ich erhoffe mir ein Zeichen dafür zu setzen das die Menschen um die es geht- also um uns die Studenten- Rechte und Bedürfnisse haben und das es bemerkt wird."
Let
SaLaMiJoE
Hm, "Über zehntausend Demonstranten zeigten ihren Unmut vor dem sächsischen Landtag" passt vielleicht nicht unbedingt zu dem Foto, wo grad alle lachen, aber sonst: respect.gif sh_goodpost.gif thumbsup.gif
Subkulturaner
lachen ist die intelligenteste Möglichkeit seinem Feind die zähne zu zeigen... danke für die smilies
JoSchu
Zitat(Subkulturaner @ 14 Dec 2007, 15:22)
Gegen 14:45 wunderte sich so Mancher nicht schlecht, da die ersten Demonstranten schon auf der Albertbrücke zu sehen waren, obwohl das Ende des gewaltigen Protestmarsches noch nicht einmal auf der Carolabrücke angekommen war.
Ich würde mich auch wundern, wenn Demonstranten auf der Albertbrücke gewesen sein sollten. Die wären dann nämlich falsch abgebogen. (Es war die Augustusbrücke.)
Zitat
Zuerst sprach Sascha Möckel (Landesausschuss der Studentinnen und Studenten der GEW Sachsen).

Irre ich mich oder wurde er nicht als Hochschulpolitischer Sprecher des StuRa der EHS angekündigt?
Zitat
Er erklärte noch einmal die Zusammenhänge und Folgen des Gesetzes und forderte zum Sturz des sächsischen Ministerpräsidenten  Milbradt auf. Danach hielt Herr Dr. Dietrich Herrmann von der TU-Dresden seine Rede.

Hier habt ihr die Vertreterin aus Hessen unterschlagen.

Ansonsten noch einmal eine schöne Zusammenfassung.
Zappelfry
Zu Sascha Möckel: Habe ich auch so in Erinnerung.
NEO.POP
der is beides laut google
Subkulturaner
Zitat(JoSchu @ 14 Dec 2007, 17:23)
Ich würde mich auch wundern, wenn Demonstranten auf der Albertbrücke gewesen sein sollten. Die wären dann nämlich falsch abgebogen. (Es war die Augustusbrücke.)

Irre ich mich oder wurde er nicht als Hochschulpolitischer Sprecher des StuRa der EHS angekündigt?

Hier habt ihr die Vertreterin aus Hessen unterschlagen.

Ansonsten noch einmal eine schöne Zusammenfassung.
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danke für die Hinweise, das mit Möckel stammt aus der Rednerliste, sollt also stimmen, und die Frau aus Hessen is nicht die einzige, die im Artikel nicht genannt wurde, da der sonst ja noch länger wäre. Hab mal das mit der Brücke geändert.
JoSchu
Zitat(NEO.POP @ 14 Dec 2007, 18:06)
der is beides laut google
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Ja, hab ich inzwischen auch gefunden, aber es spielt natürlich eine Rolle, für wen genau er denn nun spricht. Aber gut, wenn das in der Rednerliste so aufgeführt war, will ich nichts gesagt haben.
Binhpac
Schöner Artikel!
karandasch
Wirklich schöner Artikel aber jetzt ist es an der Zeit wieder aktiv zu werden.

Vollversammlung
23.4. 17 Uhr
Trefftz-Bau Physik-Hörsaal


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