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Michael13
Sex in the City?

Gedanken zum „Wegweiser für Prostituierte in Dresden"


Wer den täglichen Newsletter der Landeshauptstadt Dresden abonniert hat, wird heute (16.12.2008) zwei Themen finden ...

1. Bauarbeiten am Verkehrszug Waldschlößchenbrücke
2. „Wegweiser für Prostituierte in Dresden“ gibt es nun als Broschüre


Da das erste zwar oft in den Medien, doch nur noch teilweise interessant ist, bleibt der Blick neben dem "ß" in "Waldschlößchenbrücke" eventuell natürlich möglicherweise smile.gif beim zweiten Thema hängen.

„Wegweiser für Prostituierte in Dresden“ gibt es nun als Broschüre
(PDF-Version)

Man kann/konnte natürlich vermuten, dass es in Dresden Prostitution gibt (wo gibt es die nicht?), wobei hier von der sexuellen Prostitution die Rede ist, denn körperliche, geistige und seelische Prostitution hat ja viele Gesichter ...
Ihren Körper verkaufen nicht nur Personen im sog. "horizontalen Gewerbe", sondern womöglich 10-50% der DresdnerInnen irgendwie, irgendwo ... und sei es durch Schreibtischarbeit. Im sog. Rotlichtmilieu ist es eben nur sehr offensichtlich und für manche vielleicht auf unangenehme Weise klar, worum es geht.

Für mich als quasi bekennenden Hartz-IV-Empfänger war vor allem ein Abschnitt interessant ... Unter dem Stichwort "Sozialrecht" ist auf Seite 8 (von 18) folgendes zu lesen:
Bei Bezug von Renten, Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Hartz IV muss jeder Nebenverdienst bei ausreichender Institution (Rentenversicherungsträger, Sozialamt, ARGE) und Finanzamt angegeben werden. Wer schwarz arbeitet, ist erpressbar (Freier, Kollegen). Missbrauch von Sozialleistungen ist strafbar. Behörden gehen jeder, auch anonymen Anzeigen nach.

Spätestens an dieser Stelle frage ich mich, ob so ein Wegweiser nicht ein Wegweiser in die Sackgasse ist ... a.) für die möglicherweise Ausübenden, b.) für die Lösung wirklicher Problemfälle, c.) für die Freier (m/w), d.) den Staat, der so etwas ernst meint, e.) die Gesellschaft als solche, die eine ernsthafte Auseinandersetzung mit diesem Thema m.E. (immer noch) nötig hat.

Keine Ahnung, wie viele von 100 Freiern statistisch wirklich nicht zahlen, handgreiflich werden usw., doch ich stelle mir das gerade mal bildlich vor. Welche Prostituierte oder welcher Prostituierter würde seinen Job oder seine Nebentätigkeit wirklich beim Arbeitsamt oder bei der ARGE angeben? Ich meine, das klingt ja schon wieder fast nach Kabarett bzw. Realsatire ...

Will man die Prostitution etwa verstaatlichen? So wie versuchsweise in der DDR?

Also, ich weiß nicht, so sehr man sich Gedanken über das Thema macht, wenn man bei Zinnwald über die tschechische Grenze fährt, doch in Dresden verliert die Ernsthaftigkeit spätestens bei solchen behördlichen Ratschlägen jeden Halt.

Ich kann es nur empfehlen, diesen Wegweiser einmal durchzulesen oder zu überfliegen ...
Gerade blieb ich beim Punkt "Dresdner Gewerbeordnung" hängen ... O-Ton "Sie können und müssen als Prostituierte kein Gewerbe 'Prostitution' anmelden."
Nach dreimaligen Lesen wusste ich endlich, was mir dieser Satz sagen wollte.

Als Kartograph war für mich auch die "Übersichtskarte zur Verordnung des Regierungspräsidiums Dresden über das Verbot der Prostitution zum Schutze des öffentlichen Anstandes und der Jugend der Landeshauptstadt Dresden vom 01. Juli 1999" (S. 9/10) irgendwie interessant. Demzufolge liegen Rathaus, Landtag, die gesamte Uni ... mein Wohnhaus ... in der Sperrzone. Nur das Arbeitsamt bzw. die ARGE hat sozusagen "vogelfrei" smile.gif ... Selbst um den Großen Garten ist eine ca. 500 Meter breite Schutzzone eingezeichnet.

Nach 5 Minuten Betrachtung dieser Karte frage ich mich, ob nicht eine Karte, wo überall in dieser Stadt Prostitution stattfindet, nicht viel aufschlussreicher und interessanter wäre. Hmm, vielleicht eine Projektidee für das Institut für Kartographie, wo ich immatrikuliert bin smile.gif. Ich glaube, ein interdisziplinäres Projekt mit Soziologen etc. wäre sicher sinnvoller als ein "Wegweiser" dieser Art. Für mich hat es immer mehr den Anschein, dass dieses Dokument unbewusst eher verdecken und verstecken möchte, denn aufklären.

Nun, sei es wie es sei ... ich hoffe mal, dass diejenigen Frauen und Männer, die sich wirklich Hilfe von diesem Dokument versprechen, die nötigen Hinweise finden werden.

Bei allem Ernst kann ich mich immer noch nicht so recht entscheiden, was bei mir momentan überwiegt: häufiges Stirnrunzeln und so manches Schmunzeln.
Was hier nach Hilfe und Wegweiser aussieht, wirkt für mich eher wie Kriminalisierung ...

In diesem Sinne ... Vater Staat passt auf dich auf - auch in Dresden? ... Micha.


PS: Irgendwie sind mir da solche Wegweiser sympathischer und unterhaltsamer -
Hape Kerkeling und Jürgen v. der Lippe lesen aus 'Vollidiot'
PPS: Keine Ahnung, ob dieses Thema unter "Liebe, Sex & Zärtlichkeit" am besten reinpasst ... bevor ich den Text begann, wusste ich noch nicht so recht, wohin die Reise gehen würde ... und irgendwie sollte es ja auch nichts Politisches werden ... hmm, sei's wie's sei.



bild kann nicht angezeigt werden
#npnk
Zitat(Michael13 @ 16 Dec 2008, 01:36)
Nur das Arbeitsamt bzw. die ARGE hat sozusagen "vogelfrei" smile.gif ...
*


meinste nicht eher "vögelfrei"?
unicum
YESSS, ich "komm'" zurueck nach DD. das ganze erinnert mich irgendwie an 'n liedtext von fishmob: "...ich verarsch' euch und ihr bezahlt mich noch dafuer..." cool.gif
Michael13
Zitat(#npnk @ 16 Dec 2008, 02:41)
Nur das Arbeitsamt bzw. die ARGE hat sozusagen "vogelfrei" smile.gif ...
meinste nicht eher "vögelfrei"?
*


Bei manchen Themen, #npnk, schleiche ich lieber drumherum smile.gif ... Micha.
nur-meine
lass mich mal kurz nachdenken wacko.gif
warum gehen (meist) frauen anschaffen? weil das geld nicht reicht? weil sie ihre kinder durchbringen müssen? weil sie vielleicht einen zu überzogenen lebensstandard haben?
ich weiss es zufälligerweisse genau, weil es eine freundin von mir macht (ja, eine freundin, nicht ich). bei ihr treffen alle 3.punkte zu. früher hab ich ihr ständig geld geborgt, aber meine reserven sind auch nicht unerschöpfbar. leider ist sie nicht bereit ihren lebensstandard runder zuschrauben.
wie blöd muß sie sein, wenn sie das jetzt dem arbeitsamt melden würde, weil dann hätte sie ja am ende genauso viel wie vorher und das wäre ja nicht sinn und zweck der sache.
ob sie jetzt schonmal von jemanden angegriffen wurde weiss ich nicht, da ich nicht wirklich irgendwas darüber wissen will. von ihrem "freund" ist sie verprügelt wurden und er hat auch immer das meiste vom geld einkassiert. no.gif
Juri
Abgesehen von dieser Schwarzhaarigen finde ich die aus der Serie alle scheiße. Vor allem die eine mit der Warze auf dem Kinn.
I.I
ich weiß warum der Wegweiser dich angesprochen hat ...
abadd0n
Ist doch logisch, dass das Gebiet um das Arbeitsamt vögelfrei ist, zumal sich dort das nobelste Bordell Dresdens befindet.

@nur-meine: Wenn ich das richtig verstehe arbeitet Deine Freundin also schwarz.
Wäre es nicht sicherer für sie, wenn sie ihr Gewerbe anmelden würde? Ist es tatsächlich so, dass sie ausschließlich aus den genannten Gründen so arbeitet? Und zuguterletzt die Frage: Warum magst Du nicht mit ihr darüber sprechen? Hast Du Angst vor den menschlichen Abgründen?

#abd
tingel
Zitat(Michael13 @ 16 Dec 2008, 01:36)
...
PPS: Keine Ahnung, ob dieses Thema unter "Liebe, Sex & Zärtlichkeit" am besten reinpasst ... bevor ich den Text begann, wusste ich noch nicht so recht, wohin die Reise gehen würde
...

Ja, das merkt man auch beim Lesen deiner Abhandlung.
nur-meine
Zitat(abadd0n @ 16 Dec 2008, 12:08)


@nur-meine: Wenn ich das richtig verstehe arbeitet Deine Freundin also schwarz. JA
Wäre es nicht sicherer für sie, wenn sie ihr Gewerbe anmelden würde? NEIN, weder für ihre sicherheit noch finanzell
Ist es tatsächlich so, dass sie ausschließlich aus den genannten Gründen so arbeitet? KEINE AHNUNG, sie hat es behauptet.
Und zuguterletzt die Frage: Warum magst Du nicht mit ihr darüber sprechen? wir haben lange und oft darüber geredet und ich will nur nichts genaues wissen, wenn sie zu einem termin geht, weil ich angst hab das sie mal nicht wieder kommt. ich habe einmal einen anruf mitbekommen und sie ist direkt danach los und mir war gleich ganz schlecht vor angst.
Hast Du Angst vor den menschlichen Abgründen?
nee, nicht wirklich.


*


Michael13
Zitat(I.I @ 16 Dec 2008, 11:42)
ich weiß warum der Wegweiser dich angesprochen hat:
*


Glaube ich nicht wirklich, I.I ... doch um die Sache teilweise aufzulösen: Es sind ähnliche Beweggründe wie die von nur-meine ...

@nur-meine
Interessanterweise decken sich die Gründe deiner Freundin nahezu mit denen einer Freundin von mir. Ich habe versucht mit ihr darüber zu sprechen, wir haben auch darüber gesprochen ... verhältnismäßig oft. Irgendwann blockte sie ab ... und der Grund war nicht, dass ich es nicht gut fand oder so (obwohl mir es nicht wirklich gefällt, doch es ist ja letztlich ihre Lebenserfahrung), sondern dass Dinge nicht offen und klar sind.
Die Probleme beginnen, wenn es nicht klar ist, worum es eigentlich geht ... doch das kann nur jede/r selbst herausfinden, da helfen auch keine Worte. Manchmal ganz im Gegenteil.
Wer sexueller Prostitution nachgeht, hat seine Gründe und ich akzeptiere das. Ganz klare Sache: Für Geld gibt's Sex - so ist der Deal.
Wenn das nicht klar ist, wird's schwierig ... und vielleicht hat mich deshalb der sog. "Wegweiser" angesprochen ...

nochmals @I.I
Wenn ich übrigens wirklich als Kunde daran interessiert wäre, dann würde ich wohl kaum so einen Beitrag verfassen, oder? Und spätestens nach der Lektüre dieses Wegweisers vergeht doch jedem an Prostituierten Interessierten die Lust, oder? smile.gif
Vielleicht ist das auch die unbewusste Absicht der AutorInnen ...

Wie gesagt, möge dieser Leitfaden seinen Sinn erfüllen ... ich ordne ihn irgendwo zwischen "völlig überholt & weltfremd" und ebenso "tendenziell menschenfeindlich" ein. Letzteres sage ich, weil er die Schwarzarbeit kriminalisiert und ich vom Wort "Schwarzarbeit" nicht viel halte. Diejenigen, die gegen Schwarzarbeit sind und diesbezüglich Gesetze erlassen, sind doch nicht selten jene, die am meisten davon profitieren.

@abadd0n
Ist es nicht interessant, dass nur-meine's Freundin von ihrem "Freund" genau jene Dinge erfährt, vor denen dieser Wegweiser eigentlich schützen möchte??
Dieser Wegweiser schützt m.E. vielleicht sogar die falschen ... denn er kriminalisiert Prostitution und macht das A-Amt bzw. den Staat zum Nutznießer. Prostitution wird quasi verstaatlicht ... wunderbar. Wenn's das ist ... also, ich weiß nicht.
Und sog. "Freunde" werden offenbar zu "Zuhältern" ... er schlägt und kassiert einen Teil des Geldes.
Ist das die Lösung des Problems? Nennen wir das Emanzipation? Ist das menschliche Evolution?

@moddin
Deinen Beitrag habe ich nur bedingt verstanden ... war das ein Link zu Hape Kerkeling???

In diesem Sinne, Micha.
unicum
Zitat(Michael13 @ 16 Dec 2008, 21:41)
nochmals @I.I
Wenn ich übrigens wirklich als Kunde daran interessiert wäre, dann würde ich wohl kaum so einen Beitrag verfassen, oder?


yeah, right...

Zitat(Princess.Sophia @ 10 Dec 2008, 13:35)
Weiterhin gab er an herausgefunden zu haben, dass Menschen mit sehr stark ausgeprägter latenter Homosexualität oft sehr große unterbewusste Ängste haben, welche sich dann in den meisten Fällen so äußern, dass gerade diese Personen (um um ihre Neigungen, welche sie unbewusst hegen, im Zaum halten zu können und zu unterdrücken) eine besonders starke Homophobie entwickeln.


das ist nicht nur mit homosexualitaet so, sondern mit nahezu jedem x-beliebigen anderen thema... zuneigung in der oeffentlichkeit durch besonders uebertrieben dargestellte abneigung ueberspielen.
32er-maul
Die Übersichtskarte is' ja 'mal dermaßen geil!!!

Da hat sich doch tatsächlich jemand auf den Meter genau an die Regel "Die Linie gehört mit zum Spielfeld!" gehalten.

bild kann nicht angezeigt werden

Wer kennt die Frau, die nichts an hat als ... cool.gif ... wo ich so oft lang fahr'. biggrin.gif
Michael13
@unicum
Kann es sein, dass du im Thema verrutscht bist, unicum? ...
Das Freud-Zitat von Princess.Sophia stammt doch aus irgendeinem anderen Thread, oder?
Was ja völlig okay sein kann, wenn du den Bezug bitte noch ein bisschen herstellen könntest ... So ganz klar, wird es mir jedenfalls nicht, was du ausdrücken möchtest.
Ich meine, momentan (und in Kenntnis einiger deiner Beiträge in den letzten drei, vier Wochen) liest sich der Beitrag ja fast wie ein verstecktes Outing smile.gif ... ich meine, das wäre völlig okay, doch ich weiß nicht, ob du das damit wirklich ausdrücken wolltest.

@32-er-maul
Bevor du auch in diesem Thread neue Rätselaufgaben stellst, könntest du so nett sein und deine "Hausaufgaben" aus der letzten Woche (ziemlich weit unten stehen drei Fragen) nachholen ... smile.gif

Danke im Voraus und alles Gute, Micha.
Michael13
Zur Info:
Beim Gespräch letzte Woche mit einem Mitarbeiter der Dresdner Aids-Hilfe, bei dem ich ihm meine Bedenken bzgl. der Broschüre "Wegweiser für Prostituierte in Dresden" mitteilte (er verwies mich an die Initiatorin Friederike Beier - weiteres wohl dann 2009 hier bei exma), stolperte ich über folgendes Projekt:

„Pflege Deinen Schwanz"

... ist ein Projekt der Aids-Hilfe Dresden e.V.
Bischofsweg 46, 01099 Dresden ... http://www.aidshilfe-dresden.de

und der
Landeshauptstadt Dresden
Gesundheitsamt
Beratungsstelle für AIDS und sexuell übertragbare Krankheiten
Bautzner Straße 125, 01099 Dresden ... http://www.dresden.de/aids
marek_penksa
mein gutster, es ehrt dich, dass du dich um mitmenschen und gewissen themen sorgst, aber deine herangehensweise lässt auf eine gehörige portion selbstdarstellungssucht schließen, die sich in ausufernden schnellschüssen ohne langes nachdenken widerspiegelt..

tatsächlich ist es so, dass wirklich sehr, sehr viele prostituierte offiziell arbeiten (oder arbeiten wollen) und bei den entsprechenden ämtern gemeldet sind und es wie in jedem anderen gewerbe auch viele (verwaltungs)rechtliche dinge zu beachten gibt und somit ist es auch verdammt wichtig und richtig, dass es broschüren gibt, die neueinsteigern und erfahrenen ausübenden den weg weisen.. schon alleine, um das illegale element aus den köpfen zu kriegen.. sicher, es gibt IMMER bessere ansätze, aber vielleicht ist es nicht gerade an einem hartz4 empfangenden studenten (wie geht das eigentlich? in welcher broschüre hast du diesen trick gefunden?), diese zu entwickeln

es ist ein job, nicht ganz wie jeder andere auch, aber eben doch ein job! und jeder handwerker, jeder existenzgründer für automatensaft oder augenbrauenfärbemittel findet irgendwo im netz die passenden broschüren und branchenhinweise..

im ernst: du musst mal lernen, "auf den punkt zu kommen" - vielleicht fragst du dazu mal die eine oder prostituierte, scheinst ja einige zu kennen, die können das jedenfalls
Michael13
Zitat(marek_penksa @ 26 Dec 2008, 10:35)
mein gutster, es ehrt dich, dass du dich um mitmenschen und gewissen themen sorgst, aber deine herangehensweise lässt auf eine gehörige portion selbstdarstellungssucht schließen, die sich in ausufernden schnellschüssen ohne langes nachdenken widerspiegelt..

tatsächlich ist es so, dass wirklich sehr, sehr viele prostituierte offiziell arbeiten (oder arbeiten wollen) und bei den entsprechenden ämtern gemeldet sind und es wie in jedem anderen gewerbe auch viele (verwaltungs)rechtliche dinge zu beachten gibt und somit ist es auch verdammt wichtig und richtig, dass es broschüren gibt, die neueinsteigern und erfahrenen ausübenden den weg weisen.. schon alleine, um das illegale element aus den köpfen zu kriegen.. sicher, es gibt IMMER bessere ansätze, aber vielleicht ist es nicht gerade an einem hartz4 empfangenden studenten (wie geht das eigentlich? in welcher broschüre hast du diesen trick gefunden?), diese zu entwickeln

es ist ein job, nicht ganz wie jeder andere auch, aber eben doch ein job! und jeder handwerker, jeder existenzgründer für automatensaft oder augenbrauenfärbemittel findet irgendwo im netz die passenden broschüren und branchenhinweise..

im ernst: du musst mal lernen, "auf den punkt zu kommen" - vielleicht fragst du dazu mal die eine oder prostituierte, scheinst ja einige zu kennen, die können das jedenfalls
*


Hallo Marek,

ich kam beim Lesen deiner Zeilen - offen geschrieben - nicht um einige Schmunzler drumherum, denn eigentlich schreibst du mehr über dich selbst als über mich und die Sache, um welche es geht.
Was du als "Selbstdarstellungssucht" bezeichnest, ist für mich gesprochen ein Interesse an gesellschaftlichen Dingen, die um mich herum geschehen. Ich würde es als "Interesse am Informieren" bezeichnen; sozusagen eine halb-journalistische Arbeit ... ohne Bezahlung, was völlig in Ordnung ist, weil ich weiß, ich werde dafür nicht bezahlt.
In den letzten Jahren habe ich häufiger solche Bezeichnungen gehört und mittlerweile weiß ich, dass es in 99% der Fälle eher Minderwertigkeitskomplexe auf Seiten derer sind, die mir etwas in der Art "unterstellen" (wollen). Habe ich wahrscheinlich früher auch so gemacht ... irgendwann tut man die Dinge, die man selbst möchte ... Kritiker und Nörgler wird es immer geben. Wenn ich meine Herangehensweise nicht gut gewählt habe, kann ich lernen ... oder auch nicht. Das braucht eigentlich nur mich zu interessieren.
Offenbar hat dich ja z.B. dieser Thread angesprochen, sonst hättest du nicht geantwortet ... Fazit für mich: Ziel erreicht. As simple as that.

Zum Sachlichen:
Nehmen wir einfach mal den Fall an, eine auf ALG II (Hartz IV) lebende Frau (oder ein Mann) entscheidet sich zur Prostitution. Sie weiß - nach Kenntnis der ganzen Bürokratie -, dass sie bei sagen wir 4 Kunden pro Monat à 100 Euro (nehme jetzt mal diesen Fall an - kenne die "genauen Preise" nicht), also bei 400 Euro pro Monat 160 Euro behalten darf und 240 Euro an den Staat abführen muss (100 Euro frei, dann 20% anrechungsfrei). So schreiben es die Gesetze (nach meiner derzeitigen Kenntnis) vor. Mit anderen Worten für jedes Mal Sex (in welcher Form auch immer), bleiben für sie rund 40 Euro und für den Staat 60 Euro.
Bei 8 Kunden pro Monat (zwei pro Woche) wären das 240 Euro vs. 560 Euro (wenn ich mich nicht verrechnet habe) bzw. 30% vs. 70%.
Rein rechnerisch brauche ich das sicher nicht weiter ausführen, oder? smile.gif

Nun lasse ich mal die Zahlen etwas beiseite, Marek:
Stell dir mal vor, du arbeitest wirklich ein paar Monate im Horizontalen Gewerbe und hast irgendwann mal keine Lust mehr auf diese Arbeit ... Wer glaubt da nicht beim A-Amt, dass du jetzt plötzlich doch schwarz anschaffst?
Ich weiß nicht, inwieweit du Erfahrungen mit der ARGE hast, doch ich habe sowohl im Familien- als auch im Freundeskreis MitarbeiterInnen bei der ARGE ... also, um ehrlich zu sein, bin ich froh, dass sie nicht meine Sachbearbeiterinnen sind smile.gif ... mit anderen Worten, das Misstrauen gegenüber sog. Arbeitslosen scheint mir eine Grundvoraussetzung bei einigen zu sein. Ganz einfach aus dem eigenen Druckempfinden ... auch ARGE-MitarbeiterInnen werden auf Leistung überprüft und es herrscht m.E. eine latente Angst; habe das selbst häufiger erlebt. Angst macht misstrauisch und da du von der ARGE abhängig bist, stehst du immer "zu 50% unter Verdacht".

Wohin führt dann der eigentliche Ansatz des "Raus-aus-der Schmuddelecke-mit-der-Prostitution" im bürokratischen Deutschland?
Für mich geht es erst richtig in die Schmuddelecke hinein. Und was noch hinzukommt, die Prostituierten werden latent kriminalisiert, während die eigentlichen Hintergründe, warum Frauen diesen Weg wählen immer weniger hinterfragt werden.
Die wenigsten Prostituierten möchten sich doppelt "ausnehmen" lassen (Zuhälter o.ä., Staat, ... diverse Ämter - irgendwann kommt vielleicht noch die GEMA, weil nebenbei Musik läuft smile.gif), denn was kann eine Bürokratie an Schutz bieten? Interessiert die Rechte einer Prostituierten wirklich irgendeine Rechtsstelle? Wenn ja, in welchem Umfang? Woher weißt du, ob die betreffende Person dort auch einen entspannten Umgang mit den Themen Sex und Prostitution hat? Wird sie dich unterstützen oder wirst du von vorherein mit der "Eigentlich-bist-du-eine-Nutte"-Brille angeschaut?

Idealismus schön und gut ... bin auch ein Freund davon, doch Gesetze und Wegweiser wie der oben erwähnte sind für mich völlig weltfremd und der Sache überhaupt nicht dienlich, sondern eher das Gegenteil.

Das mit dem Hinweis, dass ich nicht auf den Punkt kommen kann (schönes Wortspiel beim Thema Sex smile.gif), und den Befragungen von Prostituierten nehme ich als Anlass, mal über ein Buchprojekt nachzudenken ... Vor drei, vier Tagen hatte jemand auf dem Kopierer im CopyShop um die Ecke ein Buch-Deckblatt mit dem Titel "Hurengespräche" ausgedruckt (sah es so beim Herausnehmen meiner Ausdrucke) ... vielleicht ist das wirklich 'ne gute Idee smile.gif ... Interessant klingt es auf jeden Fall. Wenn es nur halb so spannend ist wie über die ARGE zu schreiben, dann wird's auf jeden Fall ein Bestseller smile.gif

Alles Gute von Micha (der wahrscheinlich wieder mal nicht "auf den Punkt gekommen ist" smile.gif).

PS: BTW, nette Signatur haste, Marek ... smile.gif
"Ein arroganter Stinkstiefel aus der Akademiker-Bronx Dresden Neustadt., vereint die fußballerischen Fähigkeiten von Bukowski mit dem lyrischen Talent von Michael Ballack"