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Prof, können wir nicht mal über Faust ..

aus der Reihe "Die Glosse aus der Gosse", Vol. 3
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post 08 Nov 2008, 00:10
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3. Schein
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Punkte: 324
seit: 31.05.2008

Vorweg: Diese Glosse kann zwei Tage nach ihrem Erscheinen, d.h. am 9.11.2008, gegen 11.09 pm, in die Rubrik „Müllkippe“ verschoben werden. Erfahrungsgemäß beginnt dann die wirklich sachliche Auseinandersetzung mit dem Ursprungstext. Danke im Voraus, der Autor.


aus der Reihe „Die Glosse aus der Gosse“ – Vol. 3

Prof, können wir nicht mal über Faust reden … ?

von Michael Winkler

Was wäre Deutschland, von Madame de Stael Anfang des 19. Jahrhunderts als „Land der Dichter und Denker“ bezeichnet, ohne Goethe und seinen „Faust“? Die Goethe-Institute würden wohl einen anderen „Schirmherrn“ haben und das Soll des Deutschstundenplanes in der Schule durch eine andere Lektüre gefüllt werden.

Zweifelsohne wäre Deutschland ohne Goethe vielleicht nur um eine Person ärmer in seiner Geschichte, doch was wäre z.B. Schiller ohne Goethe? Was wäre aus den Millionen Menschen innerhalb und außerhalb des deutschsprachigen Raumes geworden, die nach seinem Tod das Licht der Welt erblickten? Unter ersteren, den Deutschen, berufen sich viele gern auf seinen Namen und seine Werke, nicht selten ohne ihn wirklich gelesen zu haben (einschließlich mir selbst). Zweiteren, u.a. auch den sog. MigrantInnen, dient die „Marke Goethe“ häufig als Anreiz nach Deutschland zu kommen, um hier zu studieren oder zu arbeiten.

Goethe war durch seine Universalität ein geistiger Brandstifter aller ersten Güte, der dafür sorgte und sorgt, dass uns Deutschen beim Nachdenken über unsere Geschichte nicht nur die Jahre 1933 bis 1945 einfallen. Der Geheimrat war nicht nur ein Meister des Wortes, sondern ebenso sieben Jahre lang Finanzminister am Weimarer Hof. Selbst Kartographen wie mir, lief er während des Studiums mit seiner Farbenlehre über den Weg; genauso wie übrigens „Im Name der Rose“-Autor Umberto Eco.

Doch zurück zu Johann Wolfgang von Goethe. Heiko Kastner schreibt in seinem 2003 erschienenen Aufsatz „Europa vor der Aufklärung – Die Religion der Marktwirtschaft“ (zum Text), dass Goethe in seinem Faust unter Inspiration des Buches „The Wealth of Nations“ des schottischen Aufklärers und Nationalökonomen Adam Smiths aus dem Jahr 1776 „nahezu wortwörtlich dessen Beschreibung über das Wesen der von ihm idealisierten ‚unsichtbaren Hand’, die den Egoismus der Einzelindividuen auf dem Markt der unbegrenzten Möglichkeiten wie selbstverständlich zum Wohle aller verwandele.“ Smith ist auch mehr als 230 Jahre nach Erscheinen seines Werkes noch ein Standard für die Ökonomen dieser Welt; interessanterweise insbesondere in den Ländern, welche durch einen versteckten Protektionismus in Form milliardenschwerer Subventionen ihrer eigenen Wirtschaften andere globale Ökonomien nicht nur behindern, sondern letztlich verelenden lassen. Goethes Faust transformierte „the invisible hand“ wohl auf eine weniger materialistische, sondern eher mentale, wenn nicht gar spirituelle Form, als er Mephistopheles zu Faust sagen lässt, er sei “Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will, doch stets das Gute schafft”.

Und vielleicht ist es genau jene goethianische Umschreibung der gegensätzlichen Teile des Yin-Yang, welche uns bei manchen Ereignissen im Leben innehalten und nach dem Guten suchen lässt.

In diesem Sinne … ein erfahrungs- und erkenntnisreiches Semester wünscht Micha.



bild kann nicht angezeigt werden

A person who's devil and God in one person - Is it the same with you, too?

Bildquelle "Macphisto"
Bildquelle Zeitschrift", Musikexpress Sounds", Vol. 1/1996
Bildquelle exma-Igel: himself


Dieser Beitrag wurde von Michael13: 08 Nov 2008, 00:30 bearbeitet


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post 08 Nov 2008, 01:56
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3. Schein
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seit: 31.05.2008

Ein Hallo an alle Nutzer,

ehrlich gesagt, irritiert es mich etwas, dass im Gegensatz zu den letzten beiden Glossen nach 90 Minuten immer noch keine Antwort erschien; nicht einmal ein "liebevoller Sidekick" oder wenigstens ein "herzlicher Schlag auf die Nase".

Was will mir das alles sagen?

Ist Ignoranz die schlimmste Waffe? smile.gif ... Nein, so selbstkritisch bin ich nun auch wieder nicht.
War einfach zu wenig Sex in der Glosse drin? ... Nein, das kann es nicht sein, dann wäre ich nicht schreiberisch bei exma tätig.
Haben einige offenbar wirklich zuerst auf den Text geschaut und ihn sogar ganz gelesen? ... hmm, kann ich weder mit einem klaren "Ja" noch "Nein" beantworten - so gute Verbindungen zu Herrn Schäubles Überwachungsmöglichkeiten habe ich nicht.

Hmm, ich weiß es, die meisten überlegen: Was macht denn der exma-Igel da im Bild? smile.gif ...

Wenn dem so ist, dann kann ich Euch auf nächste Woche vertrösten ... der exma-Igel lässt niemanden allein ... selbst wenn Igel laut Wikipedia "zumeist ein einzelgängerisches Leben" führen.

In diesem Sinne ... ich genehmige mir ein paar Tage exma-freie Zeit ... alles Gute, Micha.
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post 12 Nov 2008, 16:49
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3. Schein
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seit: 31.05.2008

Ein Hallo an alle,

nun habe ich ein paar Tage gerätselt, woher diese Ruhe hier kommt ... alle bisherigen Glossen (es waren ja eigentlich nur anderthalbe smile.gif), waren mit Kommentaren gefüllt und wie beim Fernsehen, ging die Quote nach oben ... Wäre ich Reich-Ranitzki würde ich wohl ein paar mehr oder minder abfällige Kommentare abgeben, doch ich bin es nicht. Also, versuche ich es einmal anders.

Kurzum, alte PR-Regel rausgekramt ... "Sex sells" ...

Nun, als ich vor ca. fünf Jahren mal ein paar Zitate für eine Dissertation zum Thema "Stadtentwicklung" sucht, stolperte ich bei www.aphorismen.de über nachfolgendes Goethe-Zitat.

In dem engsten der Gäßchen, es drängte sich kaum durch die Mauern, saß mir ein Mädchen im Weg, als ich Venedig durchlief. Sie war reizend, der Ort - ich ließ mich Fremden verführen - ach, ein weiter Kanal tat sich dem Forschenden auf. Hättest du, Mädchen, Kanäle wie die Venedigs und wäre dein Vötzchen wie die Gäßchen hier, wärst du die herrlichste Stadt.
Johann Wolfgang von Goethe, (1749 - 1832), deutscher Dichter der Klassik, Naturwissenschaftler und Staatsmann
Quelle: »Sammlung erotischer Gemmen und frivoler Epigramme«


Tja, und nun überlege ich wieder einmal, ob und wie ich dieses Zitat in eine Doktorarbeit zum Thema "Stadtentwicklung" einbauen könnte. Ich meine, die "Marke Goethe" gibt dem ganzen eine gewisse "credibility" und anhand dieses Zitates, wahrscheinlich versteckt auf Seite "100 und", könnte ich checken, ob diese Arbeit wirklich gelesen wurde smile.gif ...

So weit, so gut ... ich glaube zudem mittlerweile, das rein vom Sprachstil her hier einige "Nachwuchs-Goethes" bei exma anzutreffen sind ... ich denke, dass sich das im Sinne der deutschen Literatur ausbauen ließe.
Wer hätte denn Lust an einem solchen literarischem Projekt?

Allen alles Gute, Micha.
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