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Die Piratenpartei

Politik zum Mitmachen
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post 17 Oct 2006, 09:32
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Straight Esh
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seit: 01.10.2003

Die Piratenpartei

Was ist das eigentlich?

Ich würde sagen, sie ist ein Phänomen. Anfang des Jahres 2006 gründete sich in Schweden die erste Piratenpartei. Schnell wurden es aber 11 Neugründungen in ganz Europa und 8 zusätzlich in der ganzen Welt, so auch auch am 10.9.2006 in Deutschland.

Die PIRATEN (so die offizielle Bezeichnung) fordern ein moderne und freie Informations- und Wissensgesellschaft, und stürzen sich auf die Kernthemen Urheberrecht, Patentrecht und Datenschutz/Privatsphäre/Staatstransparenz. Gefordert wird hierbei ein bewußter und verantwortliche Umgang mit den modernen Medien, der sich so nicht bei anderen Parteien erkennen lässt.

Angeprangert wird z.B. dass Millionen von Privatkopieren, die ihre erworbenen Rechte nutzen wollen, kriminalisiert werden. Auch für Patente wird ein zeitgemäßer und sinnvoller Umgang gefordert. So werden Patente auf Lebewesen, Gene, Geschäftsideen und Software abgelehnt, da hier kein Erfindungspotential im ursprünglichen Sinne vorliegt sowie die Entwicklung der Wissensgesellschaft unzumutbar behindert wird. In diesem Zusammenhang stellt man sich auch gegen Monopole und positioniert sich für offene Märkte.

Das nächste große Kernthema ist der Datenschutz und die informelle Selbstbestimmung. In der heutigen Zeit wird die Privatsphäre immer mehr unterlaufen, es wird immer weniger kontrollierbar, welche Daten wo und wie lange gespeichert und genutzt werden. Die PIRATEN lehnen den aktuellen Kontrollwahn ab, fordern das Recht auf Privatsphäre ein (z.B. das Briefgeheimnis soll auch für andere Kommunikationsarten gelten) und möchten dass jeder die Möglichkeit erhält über seine Daten selbst zu bestimmen.

Weiterhin soll sowohl der Staatsapparat für den Bürger transparenter gestaltet werden als auch der Zugriff auf Wissen, dessen Erarbeitung vom Staat bezahlt wurde, besser und günstiger dem Staat und seinen Bürgern wieder zur Verfügung gestellt werden. Als Beispiel dienen hierbei wissenschaftliche Artikel oder Bücher, die trotz staatlich bezahlten Autoren und Revisoren eine Unsumme kosten.

Die PIRATEN sind eine noch sehr junge Partei. Im Moment befinden sich zahlreiche Landesverbände in Deutschland in der Gründungsphase. Für einen politikinteressierten Menschen bietet sich hier eine gute Möglichkeit aktiv an der Politik mitzuwirken und Inhalte zu gestalten. Die PIRATEN möchten auch auf Landes- und Kreisebene eine Politik bieten, die den modernen Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht wird.

Weiterführende Links:
Treffen zur Gründung des Landesverbandes Sachsen am 24.10.2006
Die Piratenpartei Deutschland
Wiki der Piraten
Forum der PIRATEN


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bonum agere et bonum edere,
sol delectans et matrona delectans

(Verlängere dein Leben indem du hier und hier und hier und hier klickst!)
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post 17 Oct 2006, 10:35
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Drehrumbum der Runde
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seit: 07.03.2006

Zitat(Chris @ 17 Oct 2006, 10:32)
So werden Patente auf Lebewesen, Gene, Geschäftsideen und Software abgelehnt, da hier kein Erfindungspotential im ursprünglichen Sinne vorliegt sowie die Entwicklung der Wissensgesellschaft unzumutbar behindert wird.
*


so unterstützungswert mir deren programm erscheint, so merkwürdig finde ich diesen punkt.
inwiefern gibts bei software kein erfindungspotential? dann könnte man ja auch sagen, musik sei ja immer dasselbe auf den immergleichen instrumenten gespielt und maschinen wären ja auch nur ausm DIN-baukasten zusammengepuzzelt und ni innovativ no.gif


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willkommen im Dreck!
die Pest
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post 17 Oct 2006, 10:52
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Leisetreter
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seit: 20.10.2004

Auf mathematische Funktionen gibt es auch keine Patente...

Das Problem sind vor allem die Trivialpatente, wie "E-Mails mit Anhängen versenden", "Internet per Mobiltelefon", etc.
Siehe z.B. nosoftwarepatents-award


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post 17 Oct 2006, 11:18
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Roman-Precog :o)
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seit: 13.11.2003

Zitat(polylux.tv)
Musik umsonst für Alle!

Die soeben gegründete Piratenpartei fordert das Grundrecht auf kostenlose Musik-Downloads.

Es soll ja noch Menschen geben, die tatsächlich Geld ausgeben für eine CD. Dass Musiktauschbörsen und dergleichen im Internet illegal sind, interessiert kaum jemanden. Millionen Fans betrachten Filesharing als ihr Menschenrecht. Politische Unterstützung bekommen sie von der Piratenpartei.



Link des Tages@22 Sep 2006, 03:57



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Nu, mir gönn!



"Ich bin Veganer Stufe IV. Ich esse nichts, was einen Schatten wirft."
Ich bremse auch für Hufeisennasen!
Was sich liebt, das neckt sich. – Was sich fickt, das fetzt sich.
Wer will Mädchen schon an den Hintern fassen? Da kommen doch nur Püpse raus!


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Analsex is für´n Arsch!


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post 17 Oct 2006, 11:19
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Straight Esh
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seit: 01.10.2003

Die Antwort kann ich geben. Es gibt einen Grund, warum es in Deutschland keine Softwarepatente gibt. Denn ein Patent sieht eine gewisse Erfindungshöhe vor. Der zweite Grund ist, dass Patente in Deutschland technisch implementiert sein müssen. Diesen können wir aber mal außer Acht lassen, wenn wir uns über Patente weitläufiger Gedanken machen.

Nun, der erste Teil, der in Erfindungshöhe zu finden ist, ist das Wort Erfindung. Was beschreibt eine Erfindung? Es muss sich um ein neuartiges, nie dagewesenes Produkt handeln. Allein diese Anforderungen wird von den meisten Programmen nicht erfüllt, da sie nur eine Abbildung der tatsächlich existierenden Realität sind. Schauen wir uns den Warenkorb eines Onlineshops an. Welche Erfindung liegt hier vor? Einen Warenkorb gibt es schon länger als das Internet, nur mussten wir ihn herumtragen oder vor uns her schieben. Oder eine Tabellenkalkulation. Auch dies ist lediglich eine Abbildung der ursprünglichen analogen Tabelle in den Computer.

Somit kommen wir zum nächsten Punkt. Der Erfindungshöhe. Die soll genau das verhindern, was in den USA zur Zeit bei den ganzen Trivialpatenten der Fall ist. Man sagt, es sollte nicht jedem möglich sein, ein Patent zu erfinden. Ein Gedanke, auf den viele andere auch kommen können, ist nicht patentierungswürdig. So z.B. meines Erachtens bei dem One-Click-Buy-Patent von Amazon.com. Hier ist der Vorgang, dass man mit seinen Daten z.B. via Cookie identifiziert ist und dann mittels einem einzigen Klick Bücher bestellen kann, patentiert. Einen Vorgang, den sich viele Benutzer eines Onlineshops wünschen, wenn sie bestellen, patentieren zu lassen, widerspricht meines Erachtens der Idee einer Erfindung und der Erfindungshöhe.

Weiterhin kann man noch hinzufügen, dass Softwareentwicklung eigentlich kein Gebiet ist, in der neue Erfindungen gemacht werden. Im großen und ganzen hat man hier eine immerwährende Weiterentwicklung. Man könnte mit viel Hadern einige große Entwicklungen hervorheben und als Erfindung deklarieren, z.B. die erste Programmiersprache, die erste Highlevelprogrammiersprache, die erste Datenbank, das erste Betriebssystem, die erste grafische Oberfläche. Eventuell könnte man noch soweit gehen, dass man jede einzelne Programmiersprache als eigene Erfindung sieht, und den jeweils ersten Anfänger eines Programmes.

Doch stellen wir uns einmal eine Welt vor, in der schon seit Anbeginn des Computerzeitalters Softwarepatente möglich gewesen wären. Nehmen wir die erste fensterbasierte Oberfläche im Xerox Star 1981. Wäre diese patentiert gewesen, so wäre es niemanden, weder Apple, noch Microsoft, noch sonstigen Entwicklern im Linuxbereich erlaubt gewesen bis 2001 eine fensterbasierte grafische Oberfläche zu erschaffen. 2001 - es wären die Versionen Windows 1.0, 2.0, 3.0, 3.1, 95, 98, 2000, Millenium und NT betroffen gewesen. Auch sämtliche Appleversionen vor Mac OS X und z.B. das KDE Projekt (seit 1996).
Würden wir annehmen Apple hätte sich sein Malprogramm patentieren lassen. Adobe hätte niemals anfangen können sein weltberühmtes Photoshop zu entwicklen. Sämtliche Bildbearbeitungsprogramme, wie wir sie kennen wären 20 Jahre lang unmöglich gewesen.
Was wenn sich der Erfinder des Onlineshops diesen hätte patentieren lassen können. Wir müssten tatsächlich noch mindestens 10 Jahre lang darauf warten, bei einem anderen Anbieter kaufen zu dürfen. Amazon, Ebay, Titus, etc. pp. Jeder der jetzt einen Onlineshop anbietet müsste seine Verkäufe auf dem Postweg oder über die Firma des Erfinders des Onlineshops abwickeln.

Darüber hinaus entwicklen sich die Märkte in heutiger Zeit immer rasanter. Die zwanzigjährige Schutzfrist auf Patenten ist so lang, dass sie alle Mitbewerber so lange vom Markt fernhält, dass es nicht mehr möglich ist, den KnowHow und Geldvorsprung eines einzelnen Patentinhaber aufzuholen. Anstatt eines gesunden Wettbewerbs hätten wir schon längst einen einzigen Anbieter für Computerlösungen, bei dem essen oder sterben müssten.

Auch ist überhaupt nicht klar, wie sich alles entwickelt hätte. Viele Entwicklungen in der Software basieren aufeinander. Die mittlerweile populäre Programmiersprache Java oder auch C# hat soviele Anleihen aus der Sprache C++, dass sie mit einem Patent auf C++ niemals entstanden wären. Das aktuell aufkommende Ajax (eine Technologie mit der z.B. Google Maps, GMail, Onlinespiele etc.) realisiert werden, ist nur eine Weiterentwicklung von Javascript. Alles baut aufeinander auf. Ein hemmendes Rad in der ganzen Kette und wir wären niemals an dem Punkt an dem wir heute sind.

Softwarepatente verhindern also effizient, dass sich Mitbewerber in den Markt einschalten können. Dies ist zwar auch so gewollt, aufgrund der kürzeren Entwicklungszyklen und vor allem viel geringeren Entwicklungskosten im Softwarebereich im Gegensatz zu technischen Bereichen führt dies sehr schnell zu ungewünschten Superfirmen, die nicht mehr mit markttechnischen Mitteln angreifbar sind. Diese Entwicklung können wir auch bei normalen technischen Erfindungen sehen. Doch geht da der Prozess ungleich langsamer vonstatten.
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schildkroet
post 17 Oct 2006, 11:23
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Zitat
Angeprangert wird z.B. dass Millionen von Privatkopieren, die ihre erworbenen Rechte nutzen wollen, kriminalisiert werden.

rofl.gif Ich lach mich schlapp! Jetzt mal die Hand auf's Herz. Wer wirklich privat kopiert muss doch keine Angst haben... Vor allem, wer ist das? Ich habe (ohne zu übertreiben) noch keinen entdecken können, der von seinen (originalen) DVDs/CDs Sicherheitskopien macht. Auch wenn das bei CDs im Auto sicherlich sinnvoll wäre.
Wer wirklich kriminalisiert wird, sind die Leute, die massenhaft Filme, Spiele und Programme downloaden, um nur noch für Hardware Geld auszugeben. Und das ja eigentlich zu Recht

Dieser Beitrag wurde von schildkroet: 17 Oct 2006, 11:25 bearbeitet
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post 17 Oct 2006, 11:33
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Drehrumbum der Runde
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seit: 07.03.2006

@chris: äußerst unzufriedenstellende antwort... noexpression.gif

hätte es ein patent auf das rad gegeben, welchen nu wirklich ne bedeutende erfindung ist, obwohls vorher schon viele runde dinge gegeben hat, wie stünde es da heute um die technik?

na scheiße halt... ist das jetz der grund, warum man auf maschinen kein patent haben sollte?

was wäre die dampfmaschine ohne metallverhüttung gewesen etc?!

das ist absolut kein grund gegen ein patent.

weltbewegende programme gibts durchaus häufiger, auch ohne reale pendants... wie stehts z.b. mit den ersten CAD und simulationstools? matheprogrammen a la matlab? willste jetz behaupten, das wäre auch nur eine umsetzung eines din A4 blocks und kann ja auch nix, wasn mathematiker mit viel zeit nicht auch könnte? wie siehts mit echtzeit-betriebssystemen aus, die die bustechnologie erst bei vielen neuen anwendungsgebieten möglich gemacht hat? schaltungssimulationen, die die entwicklung von einzelanfertigungen überhaupt erst rentabel machen und ohne die die raumfahrt z.b. noch um welten teuerer wäre?

für nen informatiker verkennst du ziemlich die bedeutung dessen

von irgendwelchen trivialpatenten rede ich auch nicht... aber wenigstens die wirklich wichtigen sind mit sicherheit mehr ihr patent wert, als somanch anderes heute patentiertes...
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post 17 Oct 2006, 12:17
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Straight Esh
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Punkte: 14030
seit: 01.10.2003

@schildkroet:

Klar kopieren viele, aber man zahlt auch auf massig Medien und deren Abspieler GEMA. Die Wirtschaft versucht dort über die Politik ihre eigenen Fehler auszubessern, und das darf nicht sein. Es gibt klar das Problem, dass viele Menschen sich irgendwelche Sachen herunterladen. Hier liegt das Problem, dass dafür kein Unrechtsbewusstsein vorhanden ist. Deswegen kann man auch nicht das Unrechtsbewusstsein in Gesetzesform gießen. Der Staat soll ja immerhin für seine Bürger da sein, und nicht diese gängeln. Wenn es einen gewichtigen Grund geben sollte, warum der Staat gegen das Votum von Millionen seiner Bürger ein Gesetz macht, dann sollte dies auch plausibel auf den Tisch gebracht werden.
Angesichts der Tatsache, dass es auch Konzepte gibt, die mittels frei herunterladbarer Musik Geld verdienen, ist es fraglich, ob die Kriminalisierung in diesem Bereich vom Staat oder von einigen wenigen reichen Leuten gewünscht wird.

@drölf:

Bedenke, dass ein Patent 20 Jahre lang den Bereich des Erfinders schützt und somit Zeit für die Umsetzung und Verkauf seiner Idee zugesteht. Nach diesen 20 Jahren geht das Wissen eines Patentes in Allgemeingut über. Weiterhin, wie gesagt, muss ein Patent eine gewisse Erfindungshöhe haben, und neuwertig sein. Ob man das Rad patentieren lassen hätte können, angesichts der Tatsache, dass man z.B. schon einfach Baumstämme zum Rollen von Objekten benutzt hat, wär fraglich gewesen.

Das Patentwesen hat ein heeres Ziel. Zum einen sollen die Investitionen des Erfinders geschützt werden, und ihm die Möglichkeit gegeben werden, von seinen Erfindungen zu leben. Zum anderen sollen die Erfindungen wieder in die Gesellschaft zurückfließen.

Diese Grundidee wird aber mit der aktuellen Entwicklung verdreht. Patente werden genützt, um einen gesamten Marktbereich von Konkurrenten leer zu fegen. Hier geben sich nur noch die großen Konzerne die Hand und gleichen über ihre zigtausende Patente gegenseitig Ansprüche aus. Der kleine Erfinder hat keine Chance mehr sich auf dem Markt zu behaupten, entweder er wird aufgekauft oder verdrängt. Mittelständische Unternehmen können sich keine kostspieligen und zeitaufwendigen Klagen gegen die großen Konzerne leisten. Ihnen geht einfach vor Abschluß des Verfahrens, die zuweilen 5 Jahre und länger dauern, die Luft aus.

Ich verkenne mitnichten, dass in manchen Programmen auch viel Arbeit steckt. Allerdings ist es so, dass man in den USA nicht mit einem größeren Programm für Furiore sorgen kann. Warum? Weil der Markt von Patenten so vollgepackt ist, dass man beim anleitungslosen Programmieren schon etliche Patente verletzt.

Ich muss dir auch leider bei deinen angebrachten Programmen widersprechen. Am Anfang steht meistens die mathematische Formel. So bei CAD oder bei Simulationen. Ich hätte z.B. kein Problem damit, wenn jemand einen genialen Algorithmus entwickelt um z.B. das Laufverhalten von Menschen in einer Einkaufspassage zu berechnen, dass dieser patentiert wird. Doch das lohnt sich meistens gar nicht, da man eben aus dem Verhalten des Algorithmus (der in der Natur begründet wird), nicht auf den Algorithmus selbst schließen kann. D.h. er ist auch ohne Patent gut genug geschützt, da niemand durch die Funktionsweise des Programmes auf den Algorithmus schließen kann. Ähnliche dem Rezept für den Sirup von Coca Cola. Der ist auch nicht patentrechtlich geschützt, konnte aber bis heute nie nachempfunden werden. Wenn ich ein Simulationsprogramm schreibe, benutze ich hierbei hauptsächlich Formeln, die irgendwelche Mathematiker vorher erfunden haben. Die reine Implementierungsarbeite halte ich hierbei nicht für schutzwürdig, fraglich ist, ob die Gesamtkomposition das ist. Auch Matelab ist lediglich eine Implementierung vieler verschiedener Formeln, die jedes Kind in seiner Formelsammlung nachlesen kann. Dass ein Computer die auch noch berechnet, sollte niemanden weiter verwundern. CAD wäre eine mehr oder weniger reale Simulation eines Reissbrettes, mit Liniealen, verschiedenen Malwerkzeugen, und Berechnungsfunktionen.
Natürlich gibt es schon bahnbrechende Entwicklungen, wie ein Echtzeitbetriebssystem. Allerdings stammt dann vielleicht ein paar Kleinstteile und das Echtzeithandling aus der Feder des Autors. Für den ganzen Rest werden in der Betriebssystemwelt anerkannte Paradigmen und Algorithmen eingesetzt. Von daher könnte man vielleicht für den Echtzeitbereich ein Patent vergeben, aber für den Rest nicht.

Aber Achtung: Lässt man sich ein Patent anerkennen muss in diesem auch das Patent so beschrieben sein, dass man es nachimplementieren kann. Es wäre quasi Open Source, auch wenn man es erst nach 20 Jahren kommerziell ohne Ansprüche des Autors weiterverwenden dürfte. Wobei man dabei dann auch einen Blick auf die Abgegrenztheit eines Patentes werfen müsste. Die Frage ist, wie leicht kann ich um den Patentanspruch herumprogrammieren, ohne das Patent zu verletzen. Sonst kommt es wieder zu der oben angesprochenen Sache, dass ein Programmierer sich etwas ausdenkt, eine größere Firma sich dies aber durch Verdrängung zu eigen macht.
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post 17 Oct 2006, 14:51
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Drehrumbum der Runde
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seit: 07.03.2006

dennoch verstehe ich nicht, inwieweit das anders ist, als bei jeder anderen sparte?

jede grundlagenforschung beruht auf der mathematik. egal ob physik, chemie, mechanismentechnik/robotik oder alle anderen

diese wiederum sind eben grundlage für anwendungen/maschinen/chemikalien etc...

dass ingeneure immer nur irgendwelche gesetzmäßigkeiten anwenden um ein produkt zu entwickeln, welches diese in einer praktischen form umsetzt, ist klar. und genau so setzt ein informatiker vielleicht mathematische grundlagen zu programmen um.

da gibt es KEINEN unterschied!

sicher ist die informatik zu schnelllebig, um mit 20 jahren patentschutz umgehn zu können, dennoch hätte ein patent in der informatik die gleiche daseinsberechtigung wie überall...

wo ist denn der unterschied, ob ein ingeneur es schafft, den wirkungsgrad eines motors um 1% zu verbessern, oder ein informatiker einen neuen compiler schreibt, der programme so compiliert, dass sie mit 10% weniger takten laufen...

beide werden wohl irgendwelche gesetzmäßigkeiten angewandt haben, schwachstellen bisheriger dinge analysiert haben und dort verbesserungen angesetzt haben um am ende irgendwas optimiert zu haben


die bedeutungshöhe... hm was kann denn ein ottomotor, was eine dampfmaschine nicht prinzipiell auch kann? und ist es denn eine leistung, den deiselmotor zu erfinden, wenn er bis auf die antreibende chemikalie und den zündmechanismus praktisch identisch mit nem ottomotor ist?


klar kann man sich da hinstellen und sagen 'gabs ja alles schon!', aber die bedeutung, die diese kleine neuerung für die welt hatte, kannste nicht leugnen...

und CAD/simulationstools werden von einigen in einem atemzug mit der erfindung des transistors genannt... die sind einfach nicht mehr wegzudenken...

und selbst wenns jede einzelne zeile code davon schon vorher gegeben hat, kam eben noch keiner auf die idee DIESE anwendung draus zu basteln


ich denke, patente gibt es für innovative ideen und nicht für nie dagewesene produkte



klar maschinen kann man nachbaun, gesetze kann man anwenden, chemikalien/pharmazeutika nachmixen, aber genauso kann man auch programme deassemblieren/decompilen

also muss man auch diese schützen

das problem ist, dass eine copyrightverletzung bei software fast immer unentdeckt bleibt (siehe z.b. dieser kopierschutzskandal von sony... wäre ja sonst nie entdeckt worden, dass da fremder code verwurstet wurde), was wiederum einen erhöhten schutzbedarf bedeutet -> patent... sodass die leute es zwar nachbilden können, aber nicht auf dem markt platzieren.


das macht schon in einem gewissen rahmen sinn. natürlich ist es schwachsinn sich sachen, wie apfeltasten, windowstasten, mülleimersymbole aufm desktop etc patentieren zu lassen, aber zumindest völlige neuentwicklungen, wie eben diese CAD/sim. software hätte wohl ein patent verdient (wobei ich froh bin, dass es nicht so kam und durchaus konkurrenz entstanden ist. aber das ändert nix daran, dass das patent genauso verdient gewesen wäre, wie für die erfindung der brennstoffzelle oder was auch immer)
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post 17 Oct 2006, 15:14
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Punkte: 13746
seit: 27.05.2003

jetzt regt euch doch mal alle ab hier. wer sagt denn dass das patent bzw urheberrecht abgeschafft werden soll? die deutsche piratenpartei will das urheber und das patentrecht reformieren. das is n unterschied. die schweden wollen alles abschaffen und anarchie und so...
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post 17 Oct 2006, 15:45
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Straight Esh
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Punkte: 14030
seit: 01.10.2003

Meines Erachtens liegt der Unterschied darin, dass ich für eine technische Erfindung einen höheren Arbeitsaufwand habe, um das Produkt zu produzieren, bzw. zur Serienreife zu bringen. Des weiteren kommt es auch darauf an, ob das Produkt nur eine Zusammenstellung von bekanntem ist, oder dafür auch richtig neue entwickelt wird. Matelab ist halt in meinen Augen nicht mehr als eine dynamische Formelsammlung. Jeder brauchbare Programmierer kann so etwas implementieren.

Es hängt nun eben an der genannten Erfindungshöhe. Dies ist das ausschlaggebende Kriterium. Während die USA davon ausgeht, dass alles was kopiert wird, schützenswert ist, geht eben Deutschland eher davon aus, dass schon ein gewisses Maß an Erfindung hierbei mitkommen muss. Dies zu bewerten ist sehr schwierig (wie man ja an unserer Diskussion sieht). Wie man aber am Beispiel USA sieht, geht es so nun auch wieder nicht.

Diesen Zwiespalt kann man scheinbar nicht lösen. Für mich bedeutet das aber, dass die Politik hier im Sinne des Bürgers eingreifen muss. Und ich denke nicht, dass es dem Bürger nützt, wenn sich Garageninformatiker (so wie Bill Gates) nicht mehr nach oben arbeiten können, weil ihre Anwendung schon bei erstellen 10 Trivialpatente verletzt.

Im übrigen muss man die zwei Schutzrechte unterscheiden:
Urheberrechtsschutz bezieht sich auf exakte Kopien eines Quelltextes über einen Zeitraum von 70 Jahren nach Tod des Autors.
Patente hingegen beziehen sich auf (technisch) implementierbare Erfindungen, die relativ klar abgegrenzt sind, und bieten einen Schutz von 20 Jahren. Hierzu muss dem Patentamt eine Patentschrift vorgelegt werden, die es erlaubt die komplette Erfindung nachzubauen.

Die Frage stellt sich, wie dies auf die Informatik übertragen werden soll. Relativ klare Anweisungen dürften dazu führen, dass man um das Patent leicht mit alternativen Algorithmen herumprogrammieren kann und kein großer Schutz gegeben wäre (noch dazu hätte man Geschäftsgeheimnisse auf dem goldenen Tablett präsentiert). Ungenaue Angaben würden dazu führen, dass man zwar einen großen Bereich abdecken kann, aber würden der Gesellschaft nichts wiedergeben, da man unfähig wäre nach der Anleitung das Programm zu implementieren.

Wie groß ist die Granularität? Reicht es zu sagen: Meine Erfindung ist ein Malprogramm, dass verschiedene Malwerkzeuge simuliert und eine variablen Malhintergrund besitzt, und Plugins verarbeiten kann, oder muss genau angegeben sein, wo ich welche Knöpfe finde, und was die für Auswirkungen haben? Kann ich Programme als großes Ganzes sichern, oder muss ich Interface, Anwendungslogik und Schnittstellen jeweils einzeln sichern? Würden wir von der aktuellen deutschen Patentpolitik ausgehen müsste jedes kleine Detail festgelegt sein und z.B. ein Patent für Photoshop sich nicht auf PaintShopPro auswirken. Dann allerdings hätte ich nichts gekonnt, sondern nur viel Geld für das Patent ausgegeben.

Du sprichst den Sony Kopierschutzfall an. Auch hier würde ein Patent nicht viel nützen, außer wie gesagt, wir würden Patente zulassen, die sehr schwammig formuliert sind. Man kann leider nur relativ wenig zum Schutz der eigenen Erfindung tun. Und dies bezieht sich auch auf Patente, die in Deutschland vergeben werden. Zum Nachdenken nur der Fall "Sony Walkman" http://www.heise.de/newsticker/meldung/47769 und die Frage, ob wir uns, bzw. der Staat seinen Bürgern ähnliches auch im Computersektor antun muss?

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post 17 Oct 2006, 16:09
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alleingelassen.
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Punkte: 9584
seit: 22.10.2004

Ihr kennt dieses Lied sicher alle.. macht sich schön nebenher, wenn man das hier liest. Übrigens: Es ist ein Studentenlied ursprünglich.

harp.gif

#abd
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..:: Wir sind gekommen Dunkelheit zu vertreiben, in unseren Händen Licht und Feuer ::..
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post 07 Apr 2007, 13:46
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alleingelassen.
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seit: 22.10.2004

Pünktlich Anfang April gibt es nun erste Kooperationen mit der beliebten LIDL-Supermarktkette:

Die LIDL-Piratinos, u.a. auch mit Überwachungs- und Stalkingtechnik für Kinder als Aktionsware bei LIDL shiny.gif

avast, abd
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