[Liebes Tagebuch.]
Das Wetter ist nasskalt. Ich laufe durch die leere Stadt und folge den Rinnsalen in Fließrichtung. Das Wasser weiß, wohin es will. Suchen und Finden sind ein und dasselbe, denke ich mir. Aber ich werde bestimmt auch irgendwo ankommen. Und wieder weitergehen. Ich weiß nicht warum ich das werde, aber es muss wohl ein Zeichen von Freiheit sein? Vielleicht mache ich paar schlechte Erfahrungen oder auch ein paar gute. Vielleicht bleibt auch gar nichts übrig, weil alles so eintönig gleich ist. Du bist so grau, wie Du Dich gibst. In 500 Nächten würden wir Spaß im Bett haben. An zweitausend Tagen würden wir grau-pink aus dem Fenster schauen. Das wären dann sieben Jahre und dann würde es aufhören zu regnen. Und wir hätten graue Haare und pinke Augenringe. Und das wäre falsch, deshalb warte ich und warte ich und warte ich. Kann sein, dass das wie mit den Rinnsalen ist: Das Warten ist vielleicht Weg und Ziel. Aber wenigstens ist es ehrlich, zu warten.
[Deine Anna]