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Venezuela Wie denkt ihr darüber?
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 01 May 2007, 14:31
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Straight Esh         
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seit: 01.10.2003
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Aufhänger ist dieser Artikel in der Süddeutschen: klickVenezuela erhöht den Mindestlohn um 20%. Darüberhinaus soll die Arbeitszeit in den nächsten 3 Jahren von 8 auf 6 Stunden pro Tag abgesenkt werden. Man hat sich auch aus den Schulden des IWF und der Weltbank befreit und verkündet nun den Ausstieg aus beiden Organisationen. Auch Wikipedia gibt einige interessante Eindrücke von Venezuela. Erklärtes Ziel ist der Sozialismus, der Staat wird im Moment auf eine Vorstufe umgebaut. Man hat die in Venezuela tätigen Ölkonzerne enteignet um das Geld aus diesen Geschäften vollkommen der Bevölkerung zugute kommen zu lassen. Trotz dieser Maßnahme wird das Privateigentum in Venezuela respektiert. Es gibt kostenlose Bildung für alle, genauso wie ein kostenloses Gesundheitssystem aufgebaut wird. Interessant ist weiterhin, dass Öl an Bedürftige zu günstigeren Konditionen angeboten wird. So unterstützte Venezuela einen Bundesstaat in USA mit bis zu 40% billigerem Öl gegen die gestiegenen Heizkosten und handelte mit den UK billigere Öllieferungen aus. Diese werden dort verwendet um billigere ÖPNV-Tickets für Bedürftige anzubieten. Zusätzlich übermittelt London Know-How in Abfallwirtschaft, Recycling, Verkehrsplanung und Reduzierung von CO2. Die Arbeitslosenquote fiel von 16,8% in 2003 auf 9,5% in 2006. Das BIP stieg von 4200 USD auf 6100 USD in 3 Jahren (wobei aber nur 16% des BIP aus Erdöl erwirtschaftet werden). Das Staatsdefizit liegt bei ca. 0,5% des BIP. Doch es gibt auch Faktoren die nicht so günstig aussehen. So liegt die Inflationsrate bei ca. 12%(auch wenn sie noch vor einigen Jahren bei 31% lag). Auch die Mordrate ist erheblich gestiegen, 19,61 Morde pro 100.000 Einwohner gab es 1998, 2006 waren es schon 58,4. Was haltet ihr von diesem Land und von seinem derzeitigen Führer und Visionär Hugo Chavez?
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Antworten(15 - 29)
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 01 May 2007, 22:20
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Physically Peter         
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seit: 09.11.2004
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Zitat(Chris @ 01 May 2007, 20:34) Das musst du aber belegen, wieso eine Präsidentialdemokratie eine Art Diktatur ist.
mal ein link zu Human rights watch und inter-american human rights watchZitat(Chris @ 01 May 2007, 20:34) Welche Golfstaaten? Das demokratisierte Afghanistan? Der demokratisierte Irak? Die sowieso abseits aller Kritik stehenden Ölfördernden Länder? Oder der demokratische Iran?
nein das sind nicht die klassischen golfstaaten -> das sind kuwait, dubai ect... (btw. wieso sollte afghanistan ein golfstaat sein  ) Zitat(Chris @ 01 May 2007, 20:34) Totschlagargument.
nein weil es genau das beschreibt...mit aktionen "gegen" die usa kann man in südamerika nunmal die menschen gewinnen (noch mehr als hier) Zitat(Chris @ 01 May 2007, 20:34) Möglicherweise. Wobei du jetzt ganz auf eine Einschätzung von Kuba verzichtet hast, womit die Aussage völlig bedeutungslos wird. Wie schätzt du Kuba ein?
als kaputt und unter dem egoismus einer kleinen staatsführenden minderheit leidend (ähnlich der ddr) alles was kastro angegegangen ist, ging schief und ruinierte das land noch mehr. Zitat(Chris @ 01 May 2007, 20:34) In der Tat, legt man zugrunde, dass das Ölgeschäft einen nicht unbedenklichen Teil am BIP einnimmt, so könnte man annehmen, dass auch alles zugrunde geht, wenn kein Öl mehr fließt. Am Beispiel Deutschlands, einem relativ bodenschatzarmen Land, kann man aber sehen, dass man auch ohne Bodenschätze mit der richtigen Politik weit kommen kann. Es muss also keine Sackgasse sein, das Öl als erste Finanzierungsgrundlage zu nehmen.
es zeichnet sich aber im moment nicht ab, dass andere industrien bzw standbeine aufgebaut werden. abgesehen von den drastischen steigerungen der militärausgaben
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Hier steht nichts Coca-Cola und die dynamische Welle sind eingetragene Schutzmarken der The Coca-Cola Company; koffeinhaltig
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 01 May 2007, 23:50
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Straight Esh         
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seit: 01.10.2003
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Zitat(Gizz @ 01 May 2007, 23:20) Ok. Das sind zwei gute Quellen für die Einschränkung von Menschenrechten, die kein gutes Bild auf Venezuela werfen. Aber ist Venezuela deswegen eine Diktatur? Das starke Mitbestimmungsrecht des Volkes spricht gegen eine Diktatur. Dafür spricht sicherlich die Einschränkung der Pressefreiheit und die Verfolgung politischer Gegner. Der Ausdruck "Venezuela ist eine Präsidaldemokratie, die sich zu einer Diktatur entwickelt" würde es meiner Meinung nach eher treffen. Zitat nein das sind nicht die klassischen golfstaaten -> das sind kuwait, dubai ect...
Laut wikipedia: Iran, Irak, Kuwait, Bahrain, Saudi Arabien, Vereinigte Arabische Emirate und Oman. Aber wie kommen wir von diesen Staaten jetzt zu Venezuela? Zitat nein weil es genau das beschreibt...mit aktionen "gegen" die usa kann man in südamerika nunmal die menschen gewinnen (noch mehr als hier)
Ja, das kann man sicherlich, genauso wie man mit Aktionen für die USA Menschen gewinnen kann. Zitat es zeichnet sich aber im moment nicht ab, dass andere industrien bzw standbeine aufgebaut werden. abgesehen von den drastischen steigerungen der militärausgaben  Der Aufbau eines guten Bildungs- und Gesundheitssystem ist ein Standbein einer funktionierenden Gesellschaft, genauso wie die Senkung der Analphabetenrate auf 1%. Der Import von Know-How aus anderen Ländern kann durchaus als Zeichen für den Aufbau weiterer Standbeine für die Gesellschaft gewertet werden.
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 02 May 2007, 00:11
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Straight Esh         
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Zitat(Gizz @ 02 May 2007, 00:02) sorry das ist erst recht blödsinn und abgesehen von den usa boykottiert niemand kuba mehr -> trotzdem liegt die wirtschaft am boden  Die Blockade der USA ist seit ihrem Beginn 1962 übrigens völkerrechtswidrig. Die Wirtschaft in Kuba brach nach dem Ende der Sowjetunion zusammen, da der Ostblock der wichtigste Handelspartner von Kuba war. Seitdem wird das Land restrukturiert und besaß 2004 ein Wirtschaftswachstum von 3%. 2005 wurde es auf 5% geschätzt. Kuba bekommt aber keine langfristigen Kredite und muss deswegen auf kurzfristige, teuere Kredite zurückgreifen, die mit 20% verzinst sind. In einer Rede vor der UN-Generalversammlung wird sogar davon gesprochen, dass die USA ihren Partnern gegen Geldstrafe verbietet, mit Kuba Geschäfte zu führen. Soweit Wikipedia.
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 02 May 2007, 01:44
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Zitat(Chris @ 02 May 2007, 01:11) Die Blockade der USA ist seit ihrem Beginn 1962 übrigens völkerrechtswidrig. Die Wirtschaft in Kuba brach nach dem Ende der Sowjetunion zusammen, da der Ostblock der wichtigste Handelspartner von Kuba war. Seitdem wird das Land restrukturiert und besaß 2004 ein Wirtschaftswachstum von 3%. 2005 wurde es auf 5% geschätzt. Kuba bekommt aber keine langfristigen Kredite und muss deswegen auf kurzfristige, teuere Kredite zurückgreifen, die mit 20% verzinst sind. In einer Rede vor der UN-Generalversammlung wird sogar davon gesprochen, dass die USA ihren Partnern gegen Geldstrafe verbietet, mit Kuba Geschäfte zu führen. Soweit Wikipedia.  Bayern macht mit Kuba trotzdem Geschäfte. Ist eben die Christlich-Sozial(istisch?)e Union. "Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker" oder so... http://www.spiegel.de/politik/deutschland/...,479885,00.html
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 02 May 2007, 08:18
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Physically Peter         
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seit: 09.11.2004
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Zitat(Chris @ 02 May 2007, 00:50) Der Ausdruck "Venezuela ist eine Präsidaldemokratie, die sich zu einer Diktatur entwickelt" würde es meiner Meinung nach eher treffen.
yup vielleicht hätte ich es so ausdrücken sollen, das meinte ich mit " eine art diktatur" -> ähnlich, wie zur zeit in russland Zitat(Chris @ 02 May 2007, 00:50) Laut wikipedia: Iran, Irak, Kuwait, Bahrain, Saudi Arabien, Vereinigte Arabische Emirate und Oman. Aber wie kommen wir von diesen Staaten jetzt zu Venezuela?
das sind alles kleinere staaten, die von mehr oder weniger totalitären herrschen geführt werden und aufgrund des öls zu reichtum und "internationaler anerkennung" gekommen sind -> und abgesehen von den ausländischen gastarbeitern geht es dem allgemeinen volk dort auch sehr gut (vor allem in vergleich von vor 50 jahren) Zitat(Chris @ 02 May 2007, 00:50) Ja, das kann man sicherlich, genauso wie man mit Aktionen für die USA Menschen gewinnen kann.
naja, wenn du meinst  Zitat(Chris @ 02 May 2007, 00:50) Der Aufbau eines guten Bildungs- und Gesundheitssystem ist ein Standbein einer funktionierenden Gesellschaft, genauso wie die Senkung der Analphabetenrate auf 1%. Der Import von Know-How aus anderen Ländern kann durchaus als Zeichen für den Aufbau weiterer Standbeine für die Gesellschaft gewertet werden.  das stimmt schon, nur die ddr hatte auch ein sehr gutes bildungssystem (was dann die finnen kopierten) aber wenn der rest nicht stimmt, kommt es erst zum wirtschaftlichen und später politischen bankrott. was aber bei venezuela erstmal nicht passieren dürfte, da die devisen durch das öl kommen. Dieser Beitrag wurde von Gizz: 02 May 2007, 08:18 bearbeitet
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 02 May 2007, 09:12
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seit: 01.10.2003
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.. die Ölfelder neigen sich doch auf der ganzen Welt dem Ende zu. Das trifft dann als erstes die, die es fördern und dann die die es benötigen und von denen in erster Linie die USA als größten Öl-Verbraucher weltweit. Die Aussage "Wenn da kein Öl mehr ist, sieht es schlecht für die aus", trifft fast zeitgleich für den Rest der 1 und 2 Welt zu. Vielleicht sind es noch 10 Jahre die die Ölfelder im Orinoco-Becken gewinne bringen. In 10 Jahren kann man einiges verdienen. Wenn der Kauf der Ölfelder klappt (wovon ich mal stark ausgehe), verdient der Staat in Venezuela daran und nicht irgendwelche Ölmultis (womöglich aus den USA). Das kann man für Venezuela positiv sehen. Das der westliche Reichtum auf der Armut der Entwicklungsländer beruht ist ja nun kein Geheimniss. Eigentlich muss man Venezuela zu diesen Schritten beglückwünschen. Grüsse C°°°
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 02 May 2007, 10:36
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seit: 01.10.2003
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Zitat(Gizz @ 02 May 2007, 10:46) öl ist doch nur ein ernergieträger
.. na ja, aber Öl wird ja nicht nur als Energieträger verwendet, Stichwort Kunstoff, Schmieröl usw.. Alles was die moderne Zivilisation herstellt benötigt Öl in irgendeiner Form. Wird Öl teurer wird alles teurer. Das das Öl irgendwann ausgehen wird, bzw. so teuer sein wird, dass es sich nicht mehr lohnt es zu verwenden ist doch schon seit Jahrzehnten klar, aber bisher hat sich am Verbrauch nichts geändert, er ist sogar noch gestiegen und Alternativen werden immernoch kaum eingesetzt bzw. gefördert. Auch wenn ich mich wiederhole -> The End Of Suburbia, Dokumentarfilm, der hier in einigen kleinen Kinos lief. Empfehlenswert. Zitat(Gizz @ 02 May 2007, 10:46) daran sehr gut verdient hat venezuale bisher auch, nur jetzt bekommen sie halt 100% der erlöse .. und was ist daran schlimm? Das Geld kann Venezuela gut gebrauchen. Grüsse C°°°
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 02 May 2007, 11:06
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Anti-Gegner      
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seit: 25.11.2005
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Zitat(bsf @ 01 May 2007, 16:01) Ich habe in Kanada zwei Menschen aus Venezuela getroffen, die praktisch vor Chavez "geflohen" sind: Beide aus der Oberschicht, Familie viel Geld, sie hatten eine gute Bildung (Privatschulen und Universitäten) und wurden in Venezuela quasi verfolgt. Sie erzählten mir Sachen, die unglaublich waren - dass zum Beispiel auf einer Demonstration gegen Chavez (die friedlich war, ihrer Aussage nach) das Militär das Feuer auf die Demonstrierenden eröffnete und auf einem Nachrichtensender (das war ein nicht staatlicher) ein Standbild geschaltet wurde, da der Sender die Demo live übertragen hatte. Das Ganze ist schon ein paar Jahre her, aber es soll wohl damals um die 100 Tote gegeben haben. Außerdem entließ Chavez ALLE Mitarbeiter staatlicher Unternehmen (hauptsächlich Ölindustrie), die auf einer Unterschriftenliste gegen ihn unterschrieben hatten. Inzwischen soll vor jeder Neueinstellung geprüft werden, ob die Person auch "pro"-System ist - und nicht kontra. Er ist auch der Besitzer der Firma, die die Wahlcomputer zur Verfügung stellt. Auf der anderen Seite ermöglicht Chavez der ärmeren Bevölkerung Bildung, ermöglicht ihnen ein Studium und eine Lebensmittelversorgung (durch Lebensmittelmarken). Das ist natürlich gut - aber nicht, wenn man die andere Seite sieht und auch, wie die Systemkritiker (hauptsächlich Oberschicht) mundtot gemacht bzw. bedroht werden. Die beiden hatten wirklich Angst um ihre Familie, und das hat man nicht einfach so. EDIT: ich will niemanden etwas unterstellen, aber ich finde erstaunlich, wie viele Leute hier für pro stimmen und frage mich, ob sie nur nach dem obigen Text abstimmen oder sich wirklich mit dem Thema "Venezuela" auseinander gesetzt haben (auch angesicht der massigen Menschenrechtsverletzungen, die in dem Land statt finden - Meinungsäußerung beispielsweise, massive Diskriminierung usw usf) Noch ein Link Ja, oppositionelles TV in Venezuela hat's schwer - ...das stimmt offenbar ,ist bei "putschistischen Aktivitäten" (Chavez) aber ganz normal. Auch, dass Deine Oberschicht-Exilanten aus Venezuela nicht gut auf Chavez zu sprechen sind. Wenn hier beschlossen würde, dass die Gewinne der Konzerne ab jetzt nicht mehr den Managern und Aktieninhabern zugutekommen, sondern kostenloser Bildung für alle und Arbeitszeitverkürzung, dann würden sicher auch manche mit ihren Milliönchen auswandern und dort über die hiesigen Reformer schimpfen... Übrigens hat Venezuela besonders viele "Miss World"-Gewinnerinnen.
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